
PV-Großflächenanlage − Wie voll kann ein Dach mit Solarmodulen versiegelt werden?
Dachflächen eignen sich sehr gut zur Installation einer PV-Anlage. Ökologisch werden keine weiteren Grünflächen versiegelt. Doch wie voll kann man ein Dach mit Solarmodulen versiegeln? Eine Einordnung durch einen Tragwerksplaner.
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Wie erfolgt die PV-Belegung auf einem Dach?
Der Belegungsplan wird häufig zunächst softwarebasiert nach festgelegten Regeln erstellt. Die Regeln lauten auszugsweise:
- Keine Solarmodule im Dachrandbereich bei Flachdächern (Abstand ca. 3 m)
- Festgelegte Abstände von Solarmodulen, um Wartungsarbeiten zu ermöglichen
- Größere Verschattungsflächen werden nicht belegt (beispielsweise gemessen am Sonneneintrag pro Jahr)
- Ggf. Platz für Wechselrichterbänke freihalten
- Zuwegungen zu großen Dachinstallationen freilassen (notwendige Wegbreiten beachten)
- Abstandsflächen aufgrund Brandschutzanforderungen in dichtbesiedelten Lagen (z. B. Mindestabstand von 0,5 bis 1,25 Metern zum Nachbargebäude, je nach Bauordnung)
- Keine Belegung im Bereich von Dachaufbauten (Lichtkuppeln, Lichtbänder, Installationen, Sekuranten)
- Mindestbelegungsfläche in Abhängigkeit gesetzlicher Anforderungen (siehe Solardachverordnung)
- Abhängig von der Dachausrichtung, Dachneigung und dem Sonneneintragskennwert
- Größe des Solarmoduls und technisch erforderliche Abstände zum nächsten Solarmodul
- Denkmalschutzauflagen, vor allem bei Steildächern
Die Liste ist ein Auszug aus den Regelsatz konventioneller Softwareentwickler im Bereich PV-Planung. Die Faktoren werden mehr oder minder automatisiert berücksichtigt.
Warum keine Solarmodule bei Flachdächern im Randbereich?
Besonders bei Flachdächern mit PV-Anlagen sind Windlasten ein relevantes Thema. Wind weht in horizontaler Richtung und trifft auf das Flachdachgebäude, beispielsweise ein Hallengebäude. Am oberen Ende der Außenwand befindet sich im Regelfall eine Attika (kleine Randerhöhung rund um das Flachdach). An diesem Punkt entstehen Verwirbelungen. Diese verursachen im wesentlichen eine Sogwirkung auf dem Dach. Sowohl die Abdichtungsebene, aber auch die darauf aufliegenden Solarmodule sollten gut verankert sein. Abdichtungsfolien werden verklebt und ggf. zusätzlich mechanisch befestigt. Solarmodule mit Ständerwerk werden mit Lastplatten beschwert, um nicht abzuheben. Im Randbereich wäre das erforderliche Gewicht sehr groß. Das Gewicht wiederum erhöht die Dachlast enorm, sodass statische Bedenken entstehen.
Welche Dachaufbauten sorgen für Verschattungen?
Verschattungen auf einem Dach entstehen, wenn
- umliegend Bäume die Sonnenstunden reduzieren
- Gauben, Aufzugsschächte, oder kleine Staffelgeschosse vorhanden sind
- Kamine, Antennen, Rohre
- Wärmepumpen, Lüftungsanlagen, Klimatechnik, RWA-Anlagen auf dem Dach installiert wurden
Die Aufbauten verursachen mehr oder minder große Verschattungsflächen. Über den Jahresverlauf hinweg kann durch Verschattungssimulationen festgestellt werden, wie viel Sonneneintrag trotz Verschattungsflächen auf jedem Quadratmeter des Flachdaches auftrifft. Eine 3D-Erfassung des Daches kann relevant sein, um genaue Berechnungen anstellen zu können, da sich der Sonnenstand über den Tagesverlauf hinweg und übers Jahr verteilt laufend verändert.
Aufgrund gesunkener Solarmodulkosten geht der Trend dazu über, möglichst viel Flächen − trotz vorhandener Verschattung zu belegen. Bei einem Steildach mit großen Verschattungsflächen und Nordausrichtung sollte dann doch über die Sinnhaftigkeit nachgedacht werden. Gerade bei Steildächern, welche auch architektonische Ansprüche erfüllen.
In welchem Bereich sind Solarmodul statisch gesehen ungünstig?
Für die Gebäudestatik relevant ist die Lage der Solarmodule in Bezug auf das darunterliegende Tragwerk. Bei einem großen Flachdach verursacht ein zusätzliches Gewicht in Dachmitte, in einem Feld mit den größten Binderabständen, genau zwischen zwei Dachbindern, die größte Zusatzlast (zusätzliches Biegemoment).
Ungünstig kann auch eine Dachrandlage sein, da die Windsogwirkung sehr groß ist und dort mehr Lastplatten verlegt werden müssen. Vorteilhaft ist dort meist, dass solche Lasten vergleichsweise trägernah entstehen, sodass Dachtrapezbleche nicht übermäßig belastet werden.
Weitere, kritische Bereiche befinden sich dort, wo vorhandene Bauteile statisch bereits sehr stark ausgenutzt werden. Die statische Ausnutzung kann aus den alten Statikunterlagen entnommen werden. In jedem Einzelfall ist zu prüfen, inwiefern eine Lasterhöhung eine Veränderung der statischen Ausnutzung verursachen würde. Ein solcher Bereich kann nicht objektübergreifend einheitlich definiert werden, außer es handelt sich um Systemstatiken (immer gleiche Bauweisen).
Fazit: Zu wie viel Prozent können Dächer mit Solaranlagen belegt werden?
Es gibt viele Gründe warum ein Dach nicht vollständig mit PV-Modulen belegt werden kann. Mal sind es technische Ursachen, ein anderes Mal energiewirtschaftliche Gründe (zu geringer Stromertrag bei gleichzeitig hohen Montagekosten). Für den Großteil der Dachfläche ist jedoch eine PV-Belegung möglich. Der Trend geht dahin − aufgrund gesunkener Material- und Montagekosten − die maximale Dachfläche mit Solarmodulen zu belegen.
Erfahrungsgemäß können im Durchschnitt etwa 70 bis 90 % der Dachflächen mit Solarmodulen belegt werden. Sinnvoll sind solche Annahmen vor allem bei Flachdächern. Dort ist eine passende Ausrichtung und Neigung frei wählbar und meist viel Platz ohne störende Aufbauten.
Zusammenfassung
Welche Kriterien beeinflussen die PV-Dachbelegung?
Zu den Einflussfaktoren gehören: Dachneigung, Dachausrichtung, Verschattungsflächen, Dachform, Dachstatik, vorhandene Schnee- und Windlasten, baurechtliche Anforderungen, Brandschutzanforderungen, technische Anforderungen an die Montage und Wartung, notwendige Wege für Dachaufbauten und Dachinstallationen.
Warum werden keine Solarmodule im Dachrandbereich verlegt?
Bei Flachdächern entstehen Verwirbelungen im Dachrandbereich. Diese führen zu erhöhten Windsoglasten. Bei Steildächern sind häufig Abstandsflächenregeln zur Vermeidung eines Brandüberschlags zu beachten.
Zu wie viel Prozent können Flachdächer mit Solarmodulen belegt werden?
Die tatsächliche Belegungsdichte kann nur geschätzt werden, da Berechnungen abweichend zur Realität häufig nicht alle Faktoren berücksichtigen. Schätzungsweise ist von einer Belegungsdichte von 70–90 % auszugehen. Ein Flachdach ohne signifikante Dachaufbauten und Installationen kann – statische Unbedenklichkeit vorausgesetzt – großflächig belegt werden.
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Christoph Ebbing
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R. Sithamparanathan
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