
PV-Anlagen auf Flachdächern − Wie gelingt der statische Nachweis?
Flachdächer sind meist aus Stahlbeton, Stahl oder Holz konstruiert. Ein bestehendes Flachdach aus Stahlbeton ist rechnerisch im Bestand eine Herausforderung, bedenkt man, dass der Bewehrungsgehalt im Nachgang nur schwer prüfbar ist. Stahldächer sind Fachwerke, mit vielen einzelnen Bauteilen und Schrauben. Holz-Flachdächer im Bestand stellen oft eine bauphysikalische Herausforderung dar. Nun soll eine Photovoltaikanlage installiert werden. Wie aufwendig also ist der statische Nachweis bei einem Flachdach?
PV-Zusatzlasten statisch absichern.Kostenlose Ersteinschätzung erhalten.
Stahlbeton-Flachdach statisch prüfen − Vorgehensweise
Ein Stahlbetondach ist grundsätzlich ein sehr robustes, widerstandsfähiges Dach. Ein technisches Versagen einer Stahlbetondecke kündigt sich im Regelfall durch Rissbildung auf der unteren Seite der Deckenplatte an. Dabei sind Rissbildungen im Stahlbeton grundsätzlich normal, da die Betondeckung unterhalb des Bewehrungsstahls nicht gut auf Zugkräfte belastet werden kann. Vor dem Versagen einer Stahlbetondecke würden also kleine Risse entstehen und die Decke würde sich durchbiegen. Erst dann würde mit der Zeit ein Versagen der Tragfähigkeit eintreten, z. B. durch gerissenen Bewehrungsstahl. Häufig zusammenhängend auch mit Korrosion an einer sichtbaren Stahlbewehrung.
So weit sollte es jedoch erst gar nicht kommen. Damit solche Schäden auch bei Installation einer PV-Anlage nicht passieren, werden rechnerische Nachweise geführt. Am einfachsten ist der Lastenvergleich. Voraussetzung für den Lastenvergleich ist eine alte, genehmigte Bestandsstatik. Die früher rechnerisch angesetzten Lasten werden mit den tatsächlich vor Ort festgestellten Lasten verglichen. Stellt man Lastreserven fest, können diese zur Aufnahme einer PV-Anlage rechnerisch begründet werden. Konservativ würde man eine PV-Anlage mit einem Sicherheitsbeiwert für veränderliche Lasten rechnerisch berücksichtigen.
Fehlt die Bestandsstatik oder kann der Nachweis nicht so einfach erbracht werden, folgen statische Neuberechnungen. Hier wird ein Reverse Engineering Ansatz gewählt. Sollten Bewehrungspläne noch vorhanden sein, könnte mit der tatsächlich verbauten Bewehrung gerechnet werden. Gegenüber dem rechnerisch ermittelten Bewehrungsgehalt ergeben sich häufig Lastreserven, weil aus baukonstruktiven Gründen mehr cm2-Bewehrungsstahl verbaut wurden. Liegt keine Statik und kein Bewehrungsplan vor, können weiterführend modernere Rechenverfahren, basierend auf Finite-Element Methoden (FEM) eingesetzt werden. Einmal wird die Decke mit einfachen Stabwerksmodellen − wie früher üblich − gerechnet, ein weiteres Mal mit einer FEM-Modellierung. Die Berechnungen unterscheiden sich methodisch und inhaltlich bei den Lastannahmen. Anschließend vergleicht man die Rechenergebnisse. Sollten sich beim rechnerisch ermittelten Bewehrungsgehalt kaum Unterschiede ergeben, kann eine Unbedenklichkeit bescheinigt werden. Als letzte, eher aufwändige Methode gelten Probeöffnungen vor Ort. Dabei wird häufig die Betondeckung in Feldmitte einer Decke zerstört und der Bewehrungsquerschnitt nachgemessen. Die Decke wird anschließend wieder mit Reparaturbeton ausgebessert. Bewehrungs-Messgeräte gibt es zwar, sind jedoch meist eher dazu da, Anzahl und Lage von Bewehrungsstahl und weniger den Querschnitt zu messen. Grundsätzlich können solche Messungen ergänzend durchgeführt und anschließend die Statik neu berechnet werden.
Stahl-Flachdach statisch prüfen − Vorgehensweise
Das Stahltragwerk einer Stahldachkonstruktion ist insgesamt gut nachvollziehbar, da das Tragwerk selten verschalt oder versteckt wird. Stahldächer kommen sehr häufig im Hallenbau und bei Sonderbauten mit großen Spannweiten vor. Die größte Herausforderung ist das Nachmessen der Trapezblechprofildicke. Auch 3D-Laserscan-Messungen (Fernmessungen) sind nicht in der Lage, die Stärke eines Trapezbleches genau zu bestimmen. Daher kann es im Zweifel erforderlich sein, Hebebühnen zu organisieren und Schnittstellen aufzusuchen, an denen die Trapezblechdicke gemessen werden kann. Für die Messung sind dann Schieblehren oder vergleichbare, feinjustierbare Messinstrumente erforderlich.
Bevor solche Aufmaße vor Ort erforderlich sind, können selbstverständlich auch hier Lastenvergleiche durchgeführt werden. Darüber hinaus sollten auch hier vorab Dokumente und tatsächliche Vor-Ort Lasten geprüft werden, um relevante Informationen über den Gebäudebestand zu erhalten. Die Statik der statisch relevanten Bauteile wird neu berechnet. Auch im Stahlbau sind moderne Ingenieurmethoden verwendbar, die früher aufgrund fehlender Rechenleistung eher selten genutzt wurden. Weiterführend kann selbst bei neueren Hallen, die ebenfalls in FEM gerechnet wurden, die ein oder andere Rechengröße identifiziert werden, welche argumentativ verändert werden kann. Gemeint sind Knicklängenbeiwerte, Schneelastgrößen oder andere, oft konservativ angesetzte Berechnungsgrößen.
Holz-Flachdach statisch prüfen − Vorgehensweise
Holz-Flachdächer wurden früher wie heute sehr unterschiedlich konstruiert. Bei Hallenbauten handelt es sich meist um Fachwerkbinder oder massive Holzbinderhallen (Brettschichtholzbinder). Beide Dachbauteile sind im Zweifelsfall statisch rekonstruierbar. Der Vorteil einer Holzkonstruktion ist, dass Sie − selbst bei statischen Bedenken − oft sehr gut nachgebessert werden können. Bevor man eine Nachbesserung empfiehlt, werden im Grunde die gleichen methodischen Ansätze und Reihenfolgen gewählt, wie auch im Stahlbau oder Stahlbetonbau. Wichtig ist, dass die Materialeigenschaften rechnerisch korrekt berücksichtigt werden. Bei Holzdächern sind oftmals auch Verbindungsmittel und Brandschutzthemen maßgebend. Hier sollten dann Heißbemessungen beim Reverse-Engineering Ansatz rechnerisch berücksichtigt werden.
Fazit: Viele Wege führen nach Rom
Die Überprüfung statischer Bedenken bei PV-Zusatzlasten erfolgt grundsätzlich immer nach dem gleichen Schema. Für Tragwerksplaner wichtig zu verstehen sind die Möglichkeiten, die man bei Erstellung eines Gutachtens zur Verfügung hat. Grundsätzlich sollten einfache Nachweisverfahren einem komplizierten Nachweisverfahren vorgezogen werden, sofern damit eine statisch unbedenkliche Konstruktion freigegeben werden kann. Immer die gleiche Methodik zu verwenden wäre wenig kundenorientiert, da damit einhergehend große Projekte möglicherweise nicht umgesetzt werden. Die Werkzeugkiste ist umfangreich, das erforderliche Methodenwissen zugleich. Fachexperten wissen schnell, welche Methoden zum Erfolg führen. Ein Blick in die Unterlagen und Bestandsfotos kann zumindest in der Angebotsphase bereits ausreichen, um mit hoher Wahrscheinlichkeit ein geeignetes Nachweiskonzept zu wählen.
Zusammenfassung
Wie aufwendig ist der statische Nachweis für PV auf einem Flachdach grundsätzlich?
Der Aufwand hängt von Unterlagenlage und Tragwerk ab. Idealfall: Lastenvergleich mit Bestandsstatik und Vor-Ort-Plausibilisierung. Wenn Unterlagen fehlen oder Reserven knapp sind, folgt Reverse Engineering, Neuberechnung (ggf. FEM) und ggf. Probeöffnungen/Messungen. Ziel: einfachster Nachweis mit sicherer Freigabe.
Wie prüft man ein Stahlbeton-Flachdach für PV statisch?
Start mit Lastenvergleich auf Basis genehmigter Bestandsstatik. Fehlt sie: Nachrechnung per Reverse Engineering, ggf. mit Bewehrungsplänen. Bei Unsicherheit helfen FEM-Vergleiche oder im Ausnahmefall Probeöffnungen zur Bewehrungsprüfung. Bewehrungsdetektoren liefern eher Lage/Anzahl als Querschnitt.
Was ist bei Stahl-Flachdächern (Hallen) der typische Prüfaufwand?
Tragwerk ist meist gut sichtbar, aber Trapezblechdicken sind schwer sicher zu ermitteln. Nach Dokumentencheck und Lastenvergleich folgt oft Vor-Ort-Aufmaß (Hebebühne, Schieblehre). Danach Nachrechnung der Bauteile; teils lassen sich konservative Annahmen (z. B. Knicklängen, Schneelast) begründet optimieren.
Wie läuft der statische Nachweis bei Holz-Flachdächern ab?
Methodisch wie bei Stahl/Stahlbeton: Unterlagencheck, Lastenvergleich, Vor-Ort-Aufmaß, Nachrechnung. Holz ist oft gut nachbesserbar, daher kann ein Nachweis auch Sanierungsvarianten einschließen. Wichtig sind korrekte Materialkennwerte, Verbindungsmittel und ggf. Brandschutz. Bauphysik (Feuchte) separat prüfen.
Ratgeberartikel ersetzen keine fachliche Beratung!
Ansprechpartner

Dr.-Ing.
Christoph Ebbing
Geschäftsführer

Dipl.-Ing. (FH)
R. Sithamparanathan
Leiter Tragwerksplanung
Über uns
Ingenieurbüro für PV-Zusatzlast – Tragwerksplaner mit bundesweiter Zulassung und den folgenden Kammereinträgen:




Ein gestandenes Unternehmen seit 6+ Jahren:
- Gründungsjahr
- 2019
- Berufsjahre
- 20+
- erfolgreiche Projekte
- 2.250+
Kundenmeinungen
4,80 von 5 Sternen auf SHOPVOTE und Google aus 66 Bewertungen (167 insgesamt). Hier eine kleine Auswahl von Kundenmeinungen:
ShopVoter-1763567
ShopVote
4.71 von 5 Sternen
ShopVoter-2193968
ShopVote
4.86 von 5 Sternen






