
Baugrund bei PV-Großflächenanlagen (Agri-PV) − Wichtige Hinweise
Die Standsicherheit einer PV-Freiflächenanlage beginnt bei Betrachtung der äußeren Rahmenbedingungen. Dazu zählen Schnee‑, Wind- und Erdbebenlasten, aber auch die Güte des vorhandenen Bodens. Die Standsicherheit einer Freiflächenanlage ist daher nicht immer gleich zu bewerten. Was kann passieren, welche Besonderheiten sind zu beachten?
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Bodengutachten vor Projektbeginn
Grundsätzlich sollte vor der tatsächlichen Umsetzung einer PV-Freiflächenanlage eine Baugrunduntersuchung stattfinden. Die Daten benötigt nicht nur der Tragwerksplaner, um die vorgesehene Konstruktion sicher verankern zu können. Auch Umweltingenieure für ökologische Gutachten, als auch ausführende Firmen benötigen die Angaben zur Kalkulation und Aufwandsschätzung.
Was steht in einem Bodengutachten bei einer PV-Freiflächenanlage?
In einem Bodengutachten entnehmen Tragwerksplaner technische Daten zum Setzungsverhalten, Tragverhalten, möglichen Bodenbrüchen, Grundwasserstand, der Homogenität, der Gesteinsart und Schichtdicke, sowie technischer Risiken, die statisch berücksichtigt werden sollten (z. B. Korrosionsverhalten bei eingerammten Stahlbauteilen, zerstörung des alkalischen milieus bei Stahlbetonbauteilen).
Umweltingenieure analysieren die Auswirkungen möglicher Altlasten und Kontaminationen im Boden auf die vorhandene Vegetation und Umwelt. Auch Grundwasserstand und Bodenaufbau, beispielsweise zur Bewertung von Versickerungsflächen werden untersucht.
Ausführende Firmen, welche Rammpfähle bzw. Stahlprofile in den Boden rammen, interessieren sich hauptsächlich dafür, wie fest und homogen ein Boden ist. Dies ist relevant um geeignete Geräte vorzusehen und den Aufwand entsprechend kalkulieren zu können. Pfahlramm-Maschinen müssen auf das Gelände gefahren werden können und ausreichend Leistung besitzen, um die Bauprofile in den Boden rammen zu können.
Welche Risiken entstehen, wenn Bodengutachten statisch nicht berücksichtigt werden?
Das Hauptrisiko besteht darin, dass die Standsicherheit der PV-Tische nicht gegeben sein könnte. Der Boden sollte ausreichend tragfähig sein, um
- ein Herausziehen der Pfähle bei Windsog zu vermeiden (ggf. auch Lockerung der Verankerung möglich)
- ein Verdrehen der Rammpfähle bei horizontaler Windlast zu vermeiden ( ggf. auch Lockerung der Verankerung im Boden möglich aufgrund zu geringem Widerstand)
- unterschiedliches Setzen einzelner Rammpfähle zu vermeiden (ggf. Schäden in den Solarmodulen)
Bodengutachten ist nicht gleich Bodengutachten
In der Praxis stellt man fest, dass vor Umsetzung einer Maßnahme eine indikative Bodensondierung stattfindet. Stichprobenartig werden verschiedene Tests (Plattendruckversuch, Zugversuche, H‑Last Belastungen, Probeentnahmen, Schürfungen etc.) vor Ort durchgeführt. Wichtig ist auch, dass die Durchführung normgerecht erfolgt. Die DIN 4020 behandelt geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke. Die DIN EN ISO 22475–1: regelt die Anwendung von Probeentnahmeverfahren und Grundwassermessungen. Anwender als auch Eigentümer sollten die Hinweise im Bodengutachten beachten. Nachträgliche Veränderungen am Boden, beispielsweise nachträgliches Entfernen von Bäumen oder Bestandsgebäuden kann die Bodenqualität durch beispielsweise nicht sichtbare Lockerungen im Boden beeinträchtigen. Der Zeitpunkt eines Bodengutachtens ist daher gut zu wählen.
Fazit: Reihenfolge und Qualität von Bodengutachten sind Erfolgsfaktoren
Die Erkenntnisse aus einem Bodengutachten sind für viele Projektbeteiligte bei einer PV-Freiflächenanlage wichtiger Bestandteil eines erfolgreichen, gut kalkulierbaren Projektes. Unkenntnisse führen immer zu konservativen Annahmen: Bei Tragwerksplanern, Umweltgutachtern und ausführenden Unternehmen. Die Angebotspreise steigen, weil Materialien dicker dimensioniert werden müssen und Lohnaufwand höher angesetzt wird. Eigentümer sollten also nicht an einem qualifizierten Bodengutachten sparen.
Zusammenfassung
Benötigt man ein Bodengutachten bei einer PV-Freiflächenanlage?
Ja. Ein Bodengutachten ist für eine vollständige Baugenehmigung zwingend erforderlich. Spätestens der Tragwerksplaner, welcher die Standsicherheit eines Bauwerks bewertet und freigibt, benötigt Informationen zum Baugrund.
Was passiert mit einer PV-Freiflächenanlage, wenn der Boden eine schlechtere Güte hat als angenommen?
In Kombination mit weiteren, äußeren Einwirkungen auf eine Freiflächenanlage können sich Befestigungen im Boden (meist Rammprofile) lockern und/oder setzen. Dies führt zu Beschädigungen an den PV-Tischen, die wiederum Folgeschäden an Solarmodulen verursachen. Im schlechtesten Fall können Schäden an Umwelt und Nachbargrundstücken entstehen (z. B. gelöste, gebrochene Solarmodule fliegen auf die Straße, auf fremdes Grundstück o. vgl.)
Wann sollte ein Bodengutachten bei einer PV-Freiflächenanlage durchgeführt werden?
Vor Erstellung des Standsicherheitsnachweises eines Statikers und Bestellung/Produktion der einzelnen Bauteile. Idealerweise noch vor Beauftragung eines PV-Unternehmens.
Ratgeberartikel ersetzen keine fachliche Beratung!
Ansprechpartner

Dr.-Ing.
Christoph Ebbing
Geschäftsführer

Dipl.-Ing. (FH)
R. Sithamparanathan
Leiter Tragwerksplanung
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