
Welche Dachform von Hallendächer sind für eine PV-Anlage statisch unbedenklich(er)?
Hallen sind vermeintlich standardisierte Bauwerke. Meist rechteckige Grundfläche mit einfacher Dachform. Die prioritäre Funktion des Bauwerks, dem Schutz vor Witterung und weniger die architektonische Qualität, eignet Hallengebäude — speziell Hallendächer — sehr gut für Solaranlagen. Die Konstruktion des Daches und die Dachform im Detail bestimmt maßgeblich das Tragverhalten. Einige Konstruktionsunterschiede sind bei der Ersteinschätzung hinsichtlich der Statik zu beachten.
Dachformen im Hallenbau
Insbesondere moderne Gewerbehallen haben aufgrund der einfachen und funktionalen Bauweise meist eine Flachdachform. Neben dem Flachdach gibt es häufig noch flachgeneigte Steildächer. In der Industrie und Produktion wurden Hallen früher häufig mit sogenannten Scheds, auch Scheddach genannt, ausgeführt. Auf die statischen Besonderheiten wird nachfolgend näher eingegangen.
Flachdach: Statische Besonderheiten bei PV-Installation
Die Funktionalität steht im Vordergrund. Mit einem Flachdach können bauplanungsrechtliche Vorgaben wie Firsthöhen, Grundflächenzahl und Traufhöhen maximal ausgenutzt werden. Flachdächer haben im Regelfall ein Gefälle von mindestens 2 %. Je nach Dachform wird das Regenwasser nach außen (zum Dachrand) oder nach innen (innenliegende Entwässerungsrinne) geleitet. Statisch ist die Entwässerung insofern relevant, als dass sich Wasser besonders bei innenliegenden Entwässerungen stauen kann. Dies ist besonders relevant bei Starkregenereignissen. Das Wasser staut sich bis zur Unterkante des außenliegenden Notüberlaufes an.
Bei Aufbau einer PV-Anlage auf einem Flachdach ist die Befestigung noch als Besonderheit zu erwähnen. Im Regelfall werden Solarmodule aufgeständert und nur mit schweren Lastplatten beschwert. Die Ständerkonstruktion wird also nicht mechanisch fest mit dem Flachdach verbunden. Grund dafür ist das Vermeiden einer Beschädigung an der Dachabdichtung. Entsprechend hoch sind die statisch relevanten Zusatzlasten.
Unter der Dachhaut befinden sich bei Flachdächern unterschiedliche Tragsysteme. Stahlbetonbinder, Stahlfachwerkbinder, Stahlrahmenkonstruktionen, Holzbinder (BSH), Holzfachwerkbinder oder massive Stahlbetonplatten sind die meistverwendetsten Konstruktionsarten im Hallenbau. Jedes Material hat statische Besonderheiten hinsichtlich seines Tragverhaltens.
Steildach: Statische Besonderheiten bei PV-Installation
Klassische Steildächer sind Holzkonstruktionen, bestehend aus Sparren, Pfetten, Stützen und Kehlbalken. Im Hallenbau werden flachgeneigte Steildächer häufig auch als Holz-Fachwerkbinder konstruiert. Statisch relevant bei PV-Zusatzlasten sind Ober- und Untergurte, sowie deren Anschlüsse und Binderabstände (inklusive Koppelpfetten). Tendenziell werden PV-Anlagen auf Steildächern aus Holz mit Befestigungshaken fest am Tragwerk verbunden. Vorausgesetzt die Dachhaut besteht aus Pfannen oder Ziegel und die Abdichtungsebene wird nicht signifikant beschädigt. Das Vorteil bei einem Steildach ist, dass das Wasser ausreichend schnell an der Dachhaut herunterlaufen kann und die PV-Anlage das Dach entwässerungstechnisch bei fachgerechter Montage nicht beschädigt. Die Befestigungshaken sind statisch zu dimensionieren. Dies wird jedoch im Regelfall von den Systemherstellern übernommen.
Die Lastabtragung bei einem Steildach ist dennoch zu überprüfen. Insbesondere im Hallenbau sind auch Holztragwerke statisch sehr hoch ausgenutzt, da geringe Materialkosten einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil für die herstellenden Firmen darstellt. Sprich: Anders als im Wohnungsbau wird die Dimensionierung der Dachkonstruktion weniger stark vom Wärmeschutz, sondern vielmehr von der statischen Ausnutzung bestimmt. Dies gilt auch für Stahlfachwerkbinder-Konstruktionen oder Stahlrahmenkonstruktionen. Bei einem Stahlrahmen werden die Anschlüsse zwischen Dachbinder und Stütze biegesteif ausgeführt. Die statische Überprüfung der biegesteifen Ecke ist ein wesentlicher Bestandteil bei einer Machbarkeitsanalyse.
Sheddach und weitere Sonderformen mit PV-Anlage
Früher wurden Industriehallen mit Sheddächern konstruiert. Ein Sheddach sieht optisch aus wie ein Sägezahndach. Es handelt sich baukonstruktiv um eine Art Flachdachkonstruktion mit hintereinander gereihten, kleinen Steildächern. Grund für die dreiecksförmige Außenansicht sind die ins Dach integrierten Lichtbänder. In den Industriehallen kamen sie früher häufig zum Einsatz, um ausreichend Licht in die flächenmäßig großen Hallen zu bringen. Heute integriert man Lichtbänder bzw. Lichtkuppeln ins Flachdach, da die Abdichtungstechnik der Lichtlösungen immer besser geworden ist und dadurch weniger Undichtigkeiten zu erwarten sind. Sheddächer sind in ihrer Konstruktion sehr aufwändig und — nicht nur statisch — weniger gut für eine Solaranlage geeignet. Gleiches gilt für andere Sonderformen im Hallenbau wie Walmdächer bzw. Satteldächer mit einer Vielzahl von Nebendächern. Bei Walmdächern und Dächern mit Haupt- und Nebendach sind insbesondere die Eckbereiche statisch relevant. Dort treten im Regelfall vergleichsweise hohe Lasten auf.
Fazit: Welche Dachform eignet sich am besten für eine PV-Anlage?
In diesem Artikel ging es vorzugsweise um die statisch/technischen Eigenschaften eines Daches. Priorität für die Eignung einer Dachfläche für Photovoltaik hat zunächst die Ausrichtung und Dachneigung. Ein Steildach mit 30 ° Dachneigung und Südausrichtung ist ideal für die Solarnutzung geeignet. Weicht die Neigung von der Idealausrichtung ab, ist dies wirtschaftlich auch noch gut vertretbar. Auch statisch sind Steildächer tendenziell am besten für eine PV-Anlage geeignet. Das heißt jedoch nicht, dass eine PV-Anlage statisch unbedenklich auf jedes Steildach installiert werden kann. Jedes Gebäude, jede Halle hat eigene Detailanschlüsse oder architektonisch, funktional bedingte Besonderheiten, seien es stützenfreie Räume, sehr große Spannweiten, oder sehr wirtschaftliche Bauweisen. Letztgenannte Besonderheiten kommen vor allem im funktionalen Hallenbau sehr häufig vor, sodass eine statische Machbarkeitsanalyse in jedem Fall empfohlen wird.
Welche Dachformen kommen bei Hallen für PV-Anlagen besonders häufig vor?
Im Hallenbau sind vor allem Flachdächer und flachgeneigte Steildächer verbreitet. Ältere Industriehallen wurden zudem häufig mit Sheddächern ausgeführt. Die jeweilige Dachform beeinflusst maßgeblich, wie zusätzliche PV-Lasten in das Tragwerk eingeleitet werden und wie gut sich das Dach technisch für eine Solaranlage eignet.
Was ist bei Flachdächern im Hallenbau statisch besonders zu beachten?
Bei Flachdächern sind Entwässerung und Zusatzlasten besonders relevant. Vor allem bei innenliegenden Entwässerungen kann sich Wasser bei Starkregen stauen und zu zusätzlichen Belastungen führen. PV-Anlagen werden auf Flachdächern meist ballastiert und nicht mechanisch befestigt, wodurch durch Lastplatten vergleichsweise hohe Zusatzlasten auf die Dachkonstruktion wirken.
Welche statischen Besonderheiten gelten für Steildächer mit PV-Anlage?
Bei Steildächern werden PV-Anlagen häufig mit Befestigungshaken direkt am Tragwerk angeschlossen. Statisch relevant sind dabei insbesondere Sparren, Pfetten, Binder, Ober- und Untergurte sowie deren Anschlüsse. Auch wenn die Entwässerung bei Steildächern meist unkritischer ist, muss die Lastabtragung des gesamten Tragwerks trotzdem sorgfältig überprüft werden.
Warum sind Sheddächer und Sonderformen für PV-Anlagen oft schwieriger?
Sheddächer und andere Sonderformen wie Walmdächer oder Dächer mit Haupt- und Nebendächern sind konstruktiv aufwändiger und meist weniger gut für PV geeignet. Durch Lichtbänder, viele Anschlüsse und geometrische Besonderheiten entstehen zusätzliche technische und statische Herausforderungen. Besonders in Eckbereichen treten häufig höhere Lastkonzentrationen auf, die gesondert geprüft werden müssen.
Welche Dachform ist für eine PV-Anlage auf einer Halle am besten geeignet?
Aus technischer und statischer Sicht sind Steildächer tendenziell besonders gut für PV-Anlagen geeignet, vor allem bei günstiger Ausrichtung und passender Dachneigung. Dennoch ist keine Dachform pauschal automatisch geeignet. Gerade im Hallenbau mit großen Spannweiten, wirtschaftlich optimierten Konstruktionen und individuellen Details sollte immer eine statische Machbarkeitsanalyse erfolgen.
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