Statische Überprüfung von PV-Dachanlage auf Logistikzentrum mit Spannbetonbauweise
Im Zuge einer PV-Anlageninstallation sollte die Machbarkeit statisch geprüft werden. Es handelt sich um ein Hallengebäude mit einer Hallenbreite von rd. 96 m und einer Gesamtlänge von rd. 650 m. Das Hallengebäude wird als Logistikzentrum genutzt. Es hat eine Höhe von 12,50 m bzw. 15,50 m. An dem Gebäude befinden sich Vor- und Anbauten zur Büronutztung, Technikräume und Treppenhäuser sowie Fluchttreppen.
Bauweise im Bestand: Stützenbauweise mit Spannbetonbinder
Die tragende Ebene des Daches bilden Stahl-Trapezblechprofile mit biegesteifen Stößen. Die Gebäudehülle besteht aus wärmegedämmten, horizontal verlegten Wandpaneelen. Die Paneele werden mit einer Unterkonstruktion an den Stahlbetonstützen befestigt. Die Stahlbetonstützen sind am Fußpunkt eingespannt, ausgeführt mit angeformten Fertigteilfundamenten. Die Stützen im Gebäudeinneren haben ein mit Ortbeton gegossenes Blockfundament. Das Dachtrapezblech wird auf Spannbeton-Dachbindern befestigt. In den Hauptachsen befinden sich Stahlbeton Dachunterzüge, im Randbereich Randunterzüge.
Für die PV-Anlage weniger relevant sind die Sandwich-Fertigteilelemente im Sockelbereich. Im Gebäudeinneren befinden sich noch Geschossdecken aus Stahlbeton (Büroeinbauten; statisch nicht relevant für die PV-Anlage).
Stabilität im Bestand: Eingespannte Stützen
Eine Aussteifung gegen auftretende Horizontallasten (vorrangig Wind) erfolgt über die eingespannten Stützen. Die Einspannung sorgt dafür, dass sich das Gebäude bei Winddruck und ‑sog insgesamt nicht schiefstellt und verdreht. Das Gebäude befindet sich in keiner Erdbebenzone
Herausforderung: PV-Anlage
Im Ursprungszustand wurden in den statischen Berechnungen keine Lastreserven für eine nachträglich installierte PV-Anlage berücksichtigt. Das Eigengewicht bilden laut Berechnungen das Eigengewicht der einzelnen Dachbauteile inkl. Dachgeräte (Lasten werden gesondert über Bühnen abgetragen), die Installationen am Blech, Schnee- und Winddrucklasten sowie anstauendes Wasser (innenliegende Entwässerung). Das Gewicht der PV-Anlage hängt wesentlich davon ab, wie viele Lastplatten auf dem Dach platziert werden müssen. Im Randbereich sind mehr Lastplatten erforderlich als in Feldmitte. Insgesamt entstehen im Mittel Zusatzlasten von rd. 20 kg/m² Dachfläche.
Dachbleche, Dachtragwerk, Stützen und Fundamente sind statisch zu überprüfen. Im Vergleich zu der ursprünglichen statischen Berechnung werden die tatsächlichen Stahlquerschnitte im Stahl- und Spannbeton und das tatsächlich verwendete Trapezblech statisch berücksichtigt. Die statische Ausnutzung ist mit einer Neuberechnung zu prüfen. Die tatsächlichen Lasten werden vor Ort mit den rechnerischen Eingabegrößen abgeglichen. Zusätzlich sind Punktlasten für Wechselrichterbänke zu berücksichtigen.
Ergebnisse: Große PV-Anlage, statisch unbedenklich
Mit Hilfe der Erkenntnisse vor Ort und unserem Reverse Engineering Ansatz konnte die statische Unbedenklichkeit nachgewiesen werden. Die rechnerische Ausnutzung hinsichtlich Tragfähigkeit beträgt bei keinem durchgeführten Nachweise mehr als 100 %. Die Gebrauchstauglichkeit (Durchbiegung) ist ebenfalls weiterhin gegeben.
Im Ergebnis kann dadurch aus statischer Sicht eine rund 50.000 m² große PV-Anlage auf dem vorhandenen Flachdach installiert werden. Platz für Wechselrichterbänke wurde berücksichtigt.
Eigene überschlägige Berechnung:
Die installierte Leistung beträgt etwa 10 MWp betragen. Dies entspricht einem Jahresertrag von rund 10 GWh pro Jahr. Bei einer Eigennutzung von schätzungsweise 3,5 bis 4,0 GWh/Jahr (ca. 35 bis 40 % Eigenverbrauch) ergeben sich bei einem Strompreis von 10 ct/kWh jährliche Einnahmen von rund 350.000 bis 400.000 €. Hinzu kommen weitere Einnahmen durch die Vermarktung des überschüssigen Stroms. Bei einem angenommenen Reststrom von etwa 6 GWh/Jahr und einem Strompreis von ca. 6–8 ct/kWh ergeben sich zusätzliche Einnahmen von rund 360.000 bis 480.000 €.
Insgesamt ergibt sich damit ein jährlicher Gesamtertrag in einer Größenordnung von etwa 710.000 bis 880.000 €. Bei Investitionskosten von rund 8 bis 10 Millionen Euro beträgt die statische Amortisationsdauer etwa 11 Jahre.
Foto: KI-basierte Darstellung angelehnt an den tatsächlichen Bestand
Fragen und Antworten
Wie groß können Hallen sein, die für PV-Dachanlagen geeignet sind?
Das Referenzprojekt zeigt: Die Größe des Gebäudes spielt für die Umsetzbarkeit einer PV-Anlage keine tragende Rolle. Relevanter ist das statische System und die Art der Lastabtragung, sowie die vorhandenen Lastreserven.
Welche Bauteile haben höhere Lastreserven: Stahlbeton‑, Spannbeton‑, Holz- oder Stahlbinder?
Letztlich ist dies keine reine Materialfrage. Es hängt vom Querschnittsprofil, dem enthaltenen Bewehrungsstahlgehalt und den daraus folgenden Lastreserven ab. Ein Holzbinder kann höhere Lastreserven haben als ein Spannbetonbinder. Im Regelfall sind jedoch mit Spannbetonbinder größere Spannweiten als beispielsweise mit Holz erzielbar.
Warum können Dächer nicht vollständig mit PV-Modulen belegt werden?
Abgesehen von möglichen Verschattungen durch Dachgeräte sind auf einem Dach auch Möglichkeiten zur Wartung vorzusehen. Im Dachrandbereich herrschen zudem erhöhte Windsogwirkungen, wodurch dort im Regelfall keine PV-Solarmodule verlegt werden.
Ansprechpartner

Dr.-Ing.
Christoph Ebbing
Geschäftsführer

Dipl.-Ing. (FH)
R. Sithamparanathan
Leiter Tragwerksplanung
Über uns
Ingenieurbüro für PV-Zusatzlast – Tragwerksplaner mit bundesweiter Zulassung und den folgenden Kammereinträgen:




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