Statische Überprüfung von PV-Anlage auf Handelsimmobilien im Saarland

Im Zuge ein­er PV-Dachin­stal­la­tion im Saar­land wur­den wir beauf­tragt, die Sta­tik der beste­hen­den Gebäude zu über­prüfen. Bei den Gebäu­den han­delt es sich um Han­del­sim­mo­bilien mit Gar­ten­cen­ter, Möbeld­is­counter, Lebens­mit­teld­is­counter, Einzel­han­dels­flächen und Elek­tron­ikmarkt.

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Die Ausgangssituation

Bei den geprüften Gebäu­den han­delt es sich teils um Holz­fach­w­erk­binder, Stahlkon­struk­tio­nen und teils um Stahlbe­tonkon­struk­tio­nen. In bei­den Fällen befind­et sich auf den Dachbindern ein Stahltrapezblech­pro­fil mit gedämmten Dachauf­bau. Bei den Gar­ten­cen­tern wur­den Stahltrapezbleche durch Glase­le­mente und Sand­wich­pan­ele erset­zt (Stahlbauhalle). Ein Lebens­mit­teld­is­counter hat eine harte Bedachung, beste­hend aus klas­sis­chen Dachziegeln (Steil­dachform). Die Dachform ist anson­sten zumeist flach geneigt, in Teil­bere­ichen wur­den Steildäch­er ver­wirk­licht. An den Stahltrapezblechen wur­den Rohre, Lüf­tungskanäle, Beleuch­tun­gen, Sprin­kler­an­lage und Kabel­trassen befes­tigt. In Teil­bere­ichen wur­den Abhangdeck­en (Ras­ter­deck­en) aus optis­chen Grün­den instal­liert.

Die Herausforderung

Im vor­liegen­den Fall han­delt es sich um sehr unter­schiedliche Baukon­struk­tio­nen. Die Gebäude wur­den von unter­schiedlichen Fir­men hergestellt. Einen erhe­blichen Aufwand verur­sacht die Bestand­sauf­nahme. Es sind alle Doku­mente zu sicht­en, zu struk­turi­eren und den Gebäude­trag­w­erken zuzuord­nen. Anschließend fol­gt die Bestand­sauf­nahme vor Ort, bei der die Tragstruk­tur und Las­tan­nah­men ver­i­fiziert wer­den. Auf­grund ein­er engen Ter­min­pla­nung musste hier in ver­gle­ich­sweise kurz­er Frist eine beleg­bare Aus­sage über die sta­tis­che Unbe­den­klichkeit getrof­fen wer­den.

Ergebnisse im Überblick

Die unter­schiedlichen Gebäude und Dachkon­struk­tio­nen weisen ver­schieden hohe Las­tre­ser­ven auf. Die Stahlkon­struk­tion beispiel­sweise weist Flach- und Steil­dachflächen auf. Je nach Fläche wer­den unter­schiedlich schwere PV-Sys­teme instal­liert (mit/ohne Last­plat­ten).

Abbil­dung: 3D-Mod­ell eines Fach­mark­tzen­trums mit Angabe der freigegebe­nen PV-Zusat­zlas­ten (Quelle: ESTATIKA GmbH, angepasst mit KI-Visu­al­isierung)

Das Trag­w­erk der Gebäude wurde nach­mod­el­liert und die einzel­nen Bauteile sta­tisch geprüft. In blau markiert sind Dachflächen, auf denen 15 kg/m² zusät­zlich instal­liert wer­den kön­nen. In rot markiert sind Flach­dachflächen, auf denen 20 kg/m² instal­liert wer­den kön­nen. Die genaue PV-Bele­gung ist abhängig von der tat­säch­lichen Wirtschaftlichkeit (abhängig von den Son­nen­stun­den und Instal­la­tion­skosten).

In einem weit­eren Fall wurde eine Holz­fach­w­erk­binderkon­struk­tion sta­tisch geprüft. Nach ein­schlägiger Prü­fung der Unter­la­gen, der Bestand­sauf­nahme vor Ort und der rech­ner­ischen Über­prü­fung kon­nten auch hier 15 kg/m² Dachfläche als sta­tisch unbe­den­klich freigegeben wer­den. Aufwändig dabei war die Über­prü­fung der Holz­fach­w­erk­binder und deren Vielzahl an Knoten­punk­ten und Fach­w­erk­bauteilen.

Abbil­dung: Sta­tis­ches Sys­tem eines Holz-Fach­w­erk­binders, dessen Knoten­punk­te und Einzel­bauteile (Quelle: ESTATIKA GmbH, KI-visu­al­isiert)

Ins­ge­samt han­delte es sich um 52 Holz­fach­w­erk­binder und eine entsprechend große Dachfläche. Die geplante PV-Anlage ist an den Holz­fach­w­erk­bindern (Ober­gurt) zu befes­ti­gen. Die Traglat­tung der Dach­p­fan­nen sollte durch die PV-Anlage nicht zusät­zlich belastet wer­den (nur im Auflager­bere­ich der Holz­fach­w­erk­binder). Der Win­drispen­ver­band und der mas­sive Wand­ver­band sind sta­tisch unbe­den­klich, da die Gebäudeausstei­fung durch die PV-Anlage nicht bee­in­flusst wird. Die darunter befind­lichen Stahlbe­ton­stützen sind sta­tisch unbe­den­klich. Sie waren aus­re­ichend bemessen und weisen bei dem vorhan­de­nen Quer­schnitt eine hohe Druck­fes­tigkeit auf.

Fazit: Großflächenanlage dank Statik-Freigabe

Die Ref­erenz zeigt, dass unab­hängig vom ver­wen­de­ten Baustoff eine PV-Dachan­lage instal­liert wer­den kann. Rel­e­vant für die sta­tis­che Freiga­be sind die Las­tre­ser­ven. Las­tre­ser­ven ergeben sich durch einen Ver­gle­ich der rech­ner­isch anzuset­zen­den Las­tan­nah­men und der Dimen­sion­ierung einzel­ner Bauteile. Weit­ere Las­tre­ser­ven kön­nen im Einzelfall iden­ti­fiziert wer­den, wenn gegenüber den ursprünglichen Pla­nun­ter­la­gen tat­säch­lich gerin­gere Las­ten fest­gestellt wer­den kön­nen, oder mod­ernere Rechen­ver­fahren ver­wen­det wer­den. Die Grund­lage ein­er sta­tis­chen Prü­fung stellt eine hin­re­ichend genaue Bestand­sauf­nahme dar. Ger­ade bei Stan­dorten mit sehr unter­schiedlichen Kon­struk­tio­nen gilt es, die Über­sicht zu behal­ten.

Fragen und Antworten

Wie wird die Sta­tik eines Daches vor PV Instal­la­tion über­prüft?

Rech­ner­isch sind unter­schiedliche Ansätze. Grund­sät­zlich soll­ten Las­ten bruch- und ver­for­mungs­frei in den Boden geleit­et wer­den kön­nen. Ein Sys­tem gilt als sta­tisch (ruhend), sofern sich äußere Ein­wirkun­gen und innere Kräfte gegen­seit­ig aus­gle­ichen. Las­ten und Tragfähigkeit eines Gebäudes wer­den rech­ner­isch gegenübergestellt.

Was sind klas­sis­che Bestandteile ein­er sta­tis­chen Über­prü­fung bei PV-Anla­gen?

Sofern es sich um eine PV-Dachan­lage han­delt, sollte das Bestands­ge­bäude sta­tisch geprüft wer­den. Beson­ders rel­e­vant sind alte Gebäude­doku­mente wie sta­tis­che Berech­nun­gen, Grun­drisse, Schnitte und son­stige Zeich­nun­gen. Eine Bestand­sauf­nahme vor Ort ist wichtig, um Berech­nungs­größen und Mod­elle ver­i­fizieren zu kön­nen. Der dritte Part ist die sta­tis­che Neu­berech­nung. Der Umfang dieser Berech­nun­gen ist unter­schiedlich groß.

Wie lange dauert eine sta­tis­che Über­prü­fung bei ein­er PV-Instal­la­tion?

Die reine Arbeit­szeit beträgt im Schnitt etwa eine Woche − je nach Gebäude und Doku­men­ta­tion­s­grund­lage. Da es sich um sicher­heit­srel­e­vante The­men han­delt, sollte hier nicht an einem 4‑Augen Prinzip vor dem Ver­sand der Berech­nungs­doku­men­ta­tion ges­part wer­den.

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    Doktor-Ingenieur<br>Christoph Ebbing

    Dr.-Ing.
    Christoph Ebbing

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    Diplom-Ingenieur (FH)<br>R. Sithamparanathan

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    R. Sithamparanathan

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    Sehr fre­undlich­es Team. <br>Erstmals bin ich mit dem Team von Esta­ti­ka beru­flich in Kon­takt gekom­men, als wir einen Trag­w­erk­plan­er für eine Indus­triehalle, beste­hend aus einem Stahl-Skelett mit War­m­dachauf­bau und Sand­wich-Wand­verklei­dung, gesucht haben. Es wur­den sehr gute Lösungsvorschläge entwick­elt um das Gewicht der … Stahlkon­struk­tion zu opti­mieren. Die Zusam­me­nar­beit war so überzeu­gend, dass ich nicht lange über­legen musste als ich einen Trag­w­erk­plan­er für mein Eigen­heim gesucht habe. Auch hier war die Zusam­me­nar­beit vor­bildlich. Auf diesem Wege, nochmal vie­len Dank für die tolle Zusam­me­nar­beit.…
  • Standort
    Saarland
    Bauvorhaben
    PV-Statik Nichtwohngebäude
    Jahr
    2026