
Kosten für PV-Statik bei der Projektierung
Eine PV-Anlage stellt bei großen Anlagen eine relevantes Investment dar. Die Investition sollte gut überlegt sein, wenn man bedenkt, dass bei einem wartungsanfälligen Bauteil wie das Dach zusätzliche technische Risiken (z. B. Dachtragfähigkeit) im Gebäudebestand vorherrschen. Um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern (höhere Rendite) wird gern an Gutachten und Strategien im Umgang mit technischen Risiken gespart. “Das Dach hält schon; hat doch immer gehalten”, heißt es dann. Nicht nur rechtlich gehen Eigentümer damit ein großes Risiko ein. Ein großer Schaden könnte beispielsweise entstehen, wenn die Tragstruktur des Daches durch Überbelastung nachhaltig beschädigt wird. Eine Instandsetzung des Tragwerkes kann — insbesondere bei großen Hallen — einem Totalschaden nahe kommen. Die Eintrittswahrscheinlichkeit mag gering, aber nicht ausgeschlossen sein. Am nachfolgenden Rechenbeispiel soll zahlenmäßig erläutert werden, welches Risiko ein Schaden am Dachtragwerk mit sich bringt und in welchem Verhältnis dieses zu den Kosten für einen Gutachter steht.
Warum PV-Statik? Was ist das Risiko und wie bewertet man das technische Risiko?
Ein technisches Risiko wird definiert durch eine Betrachtung des potenziellen Schadensausmaßes und der Eintrittswahrscheinlichkeit. Mathematisch berechnet man einen Risiko-Erwartungswert durch Multiplikation des potenziellen Schadens im Eintrittsfall und der geschätzten Eintrittswahrscheinlichkeit:
Risiko = Schadensausmaß x Eintrittswahrscheinlichkeit
Um den Erwartungswert zu bestimmen sind zunächst die potenziellen Risiken bei Installation einer PV-Anlage (qualitativ, theoretisch beschreibend) zu identifizieren. Zur Veranschaulichung sollen in diesem Beispiel zunächst nur baukonstruktiven /technischen Risiken berücksichtigt werden. Das Risiko bei Installation einer PV-Anlage besteht unter anderem darin, dass die durch eine PV-Anlage verursachte Zusatzlast auf dem Dach ein so hohes Gewicht darstellt, welches von der Dachkonstruktion statisch nicht mehr aufgenommen werden kann. Es kommt zu Beschädigungen des Dachtragwerkes, bis hin zum Versagen. Je nach Dachtragwerk entstehen meist zunächst starke Durchbiegungen, die wiederum die Entwässerung beeinflussen und so zu Beschädigungen der Dachhaut führen können. An anderen Baukonstruktionen kann es sein, dass eine noch weitere Belastung zur Beeinträchtigung der Standsicherheit führen kann (statische Überausnutzung beim Spannungsnachweis). Wir letzterer Fall angenommen, bestimmt sich das Schadensausmaß durch die Kosten, die zur Behebung des Schadens (Wiederherstellung) erforderlich wären. Der Einbruch des Daches würde einerseits bauliche Kosten verursachen (Wiederhestellung des Daches), andererseits einen Produktionsausfall (im Gewerbe; oder Mietausfall im Wohnbau) während der Wiederherstellung verursachen. Weiterhin können Einrichtungsgegenstände oder gar Personen beim Einsturz beschädigt/verletzt werden. Beispielhaft wird der Schaden auf 2.000.000 € als Sach- und Personenschäden definiert.
Die Eintrittswahrscheinlichkeit ist abhängig vom Dachzustand, dem Standort (inkl. äußeren Rahmenbedingungen am Standort wie Wind, Schnee und Erdbeben) und der Dachkonstruktion. Beispielhaft soll ein augenscheinlich intaktes Dach mit jedoch eingeschränkter statischen Tragfähigkeit betrachtet werden. Die eingeschränkte statische Tragfähigkeit ist durch Laien nicht augenscheinlich und meist auch durch Experten erst nach Nachberechnung (softwarebasiert) prüfbar. Nach festgelegten Kriterien aus dem Bereich der technischen Due Diligence wird eine Eintrittswahrscheinlichkeit beispielhaft mit 10 % (verhältnismäßig gering) bewertet. Damit ergibt sich ein Risiko-Erwartungswert von
Risiko Erwartungswert = 2.000.000 € x 0,10 (10 %) = 200.000 €
In diesem Beispiel steht dem Investment steht also — nur durch Betrachtung eines technischen Risikos — ein Schadenswert von 200.000 € erwartet. Bei einem Investment von ca. 300.000 € entspricht der Risiko-Erwartungswert etwa 67 % des Investitionsvolumen. Zur Bewertung des Risikos werden abschließend Schwellenwerte für “geringes”, “mittleres” und “großes” Risiko festgelegt. Ein Verhältnis zwischen Risiko-Erwartungswert und Investitionsvolumen von 0,67 (67 %) sollte als sehr hoch bewertet werden.
Risikomanagement: Wie können statisch bedinkte Risiken bei einem PV-Investment behandelt werden?
Ohne eine Überprüfung des Dachtragwerkes durch Fachexperten (z. B. Tragwerksplaner, Bauingenieure) sollten vergleichsweise konservative Wertvorstellungen für die Eintrittswahrscheinlichkeit gewählt werden. Der Risiko-Erwartungswert kann gesenkt werden, indem ein Fachexperte die statisch relevanten Bauteile begutachtet und deren Zustand bewertet. Beispielsweise könnte eine Nachberechnung der Gebäudestatik dazu führen, dass die statische Unbedenklichkeit nachgewiesen werden kann. Die Eintrittswahrscheinlichkeit sinkt beispielhaft auf 1 %. Der Risiko-Erwarungswert sinkt:
Risiko Erwartungswert = 2.000.000 € x 0,01 (1 %) = 20.000 €
Auch das Verhältnis zwischen Investitionsvolumen und Risiko wird verbessert:
20.000 € Risiko-Erwartungswert / 300.000 € Investition = 0,067 (6,7 %)
Uner Berücksichtigung vorhandener Risiken wird das Investment wirtschaftlich neu bewertet. Man würde jetzt von einer Investition mit geringem Risiko sprechen. Abgesehen von der zu erwartenden Rendite wird das Investment für professionelle Investoren deutlich attraktiver.
Was kostet eine statische Machbarkeitsanalyse vor PV-Installation?
Die Kosten für ein Ingenieurbüro hängen von mehreren Faktoren ab. Bei guter Gebäudedokumentation und schnell erkennbaren Lastreserven reicht eine formelle Überprüfung der alten Statik, ggf. mit einem Vor-Ort Termin zur Überprüfung der realen Gegebenheiten bereits aus. Sind die Dokumente unvollständig und es besteht Zweifel an der Unbedenklichkeit, müssen Statiker das Gebäude neu berechnen. Eine Art Variantenanalyse wird durchgeführt, wobei PV-Zusatzlasten berücksichtigt werden. Bei Hallendächern kann die Berechnung aufwändig sein, da die Baukonstruktionen im Bestand statisch häufig sehr stark ausgenutzt sind. Moderne Nachweismethoden (FEM, 3D-Modelle) und gute Argumente für Annahmen statisch relevanter Berechnungsgrößen werden erforderlich.
Die Kosten für den Statiker rangieren erfahrungsgemäß zwischen 1.000 und 10.000 € pro Gebäude.
Warum sollte man nicht an einer Machbarkeitsanalyse sparen
Nimmt man als Durchschnittswert für die Ingenieurskosten 5.000 € und einen Risiko-Erwartungswert von 200.000 € an, wirken die Zusatzkosten aus Risiko-Gesichtspunkten als vergleichsweise gering. Bei einem Gesamtinvestment von 300.000 € PV-Installationskosten + 5.000 € Ingenieurskosten betragen die Kosten für das Ingenieurbüro rd. 1,6 %. Die Investition in ein Gutachten erscheint angesichts des Risikos und der höheren Attraktivität für Investoren als sehr gering.
Weitere Vorteile durch PV-Statik
Wie bereits erwähnt, haben Statiker unterschiedliche Möglichkeiten/Methoden, das Bestandsgebäude statisch zu überprüfen. Ein unabhängiger Statiker hat keinerlei wirtschaftlichen Interessen, möglichst viel PV-Fläche freizugeben. Möchte ebenjener einen Auftrag haben, indem er ein wirtschaftlich attraktives Angebot abgibt, kann es sein, dass Dachflächen — aufgrund der vereinfachten Methodenauswahl — nicht für eine PV-Installation freigegeben werden. Wirtschaftlich gesehen kann es durchaus Sinn machen, einen weiteren Statiker einzuschalten, der sich im Detail mit den Nachweismethoden auskennt und abweichend von früheren Statikern es rechnerisch schafft, die den Nachweis zu erbringen, dass die zusätzlichen Dachlasten aufgenommen werden können. Im Vergleich zwischen Statiker 1 und Statiker 2 können also Qualitätsunterschiede vorliegen. Nur die Kosten eines Statikers zu vergleichen sollte bei dem Ziel, der vollflächigen Belegung also nicht ausreichen.
Warum ist eine PV-Statik vor der Installation einer größeren PV-Anlage sinnvoll?
Eine größere PV-Anlage ist ein relevantes Investment, bei dem technische Risiken des Bestandsgebäudes berücksichtigt werden sollten. Besonders die Tragfähigkeit des Daches lässt sich nicht zuverlässig mit bloßem Auge beurteilen. Eine PV-Statik hilft dabei, das Risiko einer Überlastung des Dachtragwerks frühzeitig zu erkennen und teure Folgeschäden zu vermeiden.
Wie bewertet man das technische Risiko einer PV-Installation auf einem Bestandsdach?
Ein technisches Risiko wird über das mögliche Schadensausmaß und die Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet. Der Risiko-Erwartungswert ergibt sich aus der Multiplikation beider Größen. Bei einer PV-Anlage kann das Risiko beispielsweise darin bestehen, dass das Dachtragwerk durch Zusatzlasten beschädigt wird oder im Extremfall versagt, wodurch hohe Sach‑, Betriebs- und Personenschäden entstehen können.
Wie kann eine statische Machbarkeitsanalyse das Investitionsrisiko senken?
Durch eine statische Prüfung können Fachexperten die relevanten Bauteile bewerten und rechnerisch nachweisen, ob die Zusatzlasten sicher aufgenommen werden können. Dadurch sinkt die angenommene Eintrittswahrscheinlichkeit eines Schadens deutlich. Das verbessert das Verhältnis zwischen Risiko und Investitionsvolumen und macht das PV-Investment für Eigentümer und professionelle Investoren wirtschaftlich attraktiver.
Was kostet eine statische Machbarkeitsanalyse für eine PV-Anlage?
Die Kosten hängen von der Qualität der Gebäudedokumentation, der Komplexität des Tragwerks und dem erforderlichen Prüfaufwand ab. Bei gut dokumentierten Gebäuden reicht mitunter eine formelle Prüfung der Bestandsunterlagen, in komplexeren Fällen ist eine vollständige Neuberechnung erforderlich. Erfahrungsgemäß liegen die Kosten für ein Ingenieurbüro häufig zwischen 1.000 und 10.000 Euro pro Gebäude.
Warum sollte man bei einer PV-Statik nicht nur auf den günstigsten Preis achten?
Unterschiedliche Statiker können je nach Erfahrung und Nachweismethode zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Ein günstiges Angebot bedeutet nicht automatisch die wirtschaftlich beste Lösung, wenn dadurch weniger Dachfläche freigegeben oder eine tragfähige Lösung übersehen wird. Für Eigentümer zählt daher nicht nur der Preis, sondern auch die fachliche Qualität und die gewählte Prüfmethode.
Ratgeberartikel ersetzen keine fachliche Beratung!
Kundenmeinungen
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Wir haben uns einen Fensterdurchbruch rechnen lassen. Im Vergleich zu lokalen Angeboten ging es superschnell. Da nehm ich den Preis gern Inkauf.
Über uns
Unser Ingenieur-Team besteht aus qualifizierten Fachplaner mit je 20+ Berufsjahren und einem Doktortitel (Dr.-Ing.), (Fach)Hochschulabschluss, sowie Eintragungen in mehreren Ingenieurkammern und weiteren Qualifikationen. Ein Auszug:




Unsere Ansprechpartner:

Dr.-Ing.
Christoph Ebbing
Geschäftsführer

Dipl.-Ing. (FH)
R. Sithamparanathan
Leiter Tragwerksplanung

Dipl.-Vw.
Stefan Tiesmeyer
Leiter Energiewirtschaft
Unsere Keyfacts:
- Gründungsjahr
- 2019
- Berufsjahre
- 20+
- erfolgreiche Projekte
- 2.250+
Leistungen
Die ESTATIKA GmbH ist ein spezialisiertes Ingenieurbüro für Machbarkeitsanalysen von (geplanten) PV-Zusatzlasten. Kosteneffiziente Quick-Checks für PV-Unternehmen, Gewerbekunden und Kommunen.





