PV-Freiflächenanlage im Landkreis Havelland, Brandenburg
Standsicherheitsnachweis dank Windsimulation
Bei dem Projekt handelt es sich um ein genehmigungspflichtiges Bauvorhaben für eine rd. 250.000 m² große PV-Anlage auf einer vorhandenen Grünfläche. Zum Zeitpunkt der Beauftragung war der Bauantrag bereits gestellt. Es fehlte der Standsicherheitsnachweis.
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Herausforderung: Norddeutsches Tiefland mit besonderen Wind-/Schneelastbedingungen
Das norddeutsche Tiefland ist beliebt für die Aufstellung einer PV-Freiflächenanlage, weil die Topographie sehr eben ist und geeignetes Land vergleichsweise günstig ist.
Das Havelland in Brandenburg ist gemäß DIN EN 1991–1‑3 der Schneelastzone 2 zuzuordnen. Bei der statischen Berechnung für außergewöhnliche Ereignisse sind erhöhte Sicherheitsbeiwerte zu beachten. Die Schneelast ist als vergleichsweise moderat zu bewerten. Beim Wind handelt es sich um Windlastzone 2. Die Besonderheiten in der Nähe zur Nord- und Ostsee waren hier nicht relevant. Die Rauigkeit des Bodens ist jedoch vergleichsweise gering, sodass − ohne genauere Untersuchung − der Wind ungehindert auf die PV-Freifläche trifft.
Die Besonderheit bei diesem Projekt ist vielmehr die planerische Ausgangssituation. Ein bestehendes PV-System eines internationalen Herstellers und Planers sollte in Brandenburg montiert werden. Nach Durchsicht der Unterlagen war feststellbar, dass Stabilitätsnachweise durch die ausländischen Tragwerksplaner nicht geführt wurden. Weiterführend waren Lastannahmen für Schnee und Wind nicht nachvollziehbar dokumentiert. Im Vergleich zu den in Deutschland üblicherweise angesetzten Windlasten waren die resultierenden Lastannahmen in den Berechnungen zu gering.
Mit den fehlenden rechnerischen Nachweisen und zu geringen Lastannahmen konnte der Standsicherheitsnachweis nicht ausgestellt werden.
Lösungsansatz 1: Windsimulation zur Vermeidung zu konservativer Lastannahmen
Ein Teil unseres methodischen Lösungsansatzes bestandt darin, eine Windsimulation für den gewählten Standort durchzuführen. Die PV-Freiflächenanlage wird dreidimensional nachmodelliert und virtuell in einen Windkanal gestellt. Die Topografie, Bodenrauigkeit und Umgebung kann mitberücksichtigt werden. Im Regelfall lassen sich durch solche Simulationsverfahren die ansetzbaren Lastannahmen reduzieren und schlanke Konstruktionen rechnerisch nachweisen.


Bei Windsimulationen sollte die Konstruktion möglichst realitätsgetreu berücksichtigt werden. Die Windlasten können in Randbereichen deutlich höher ausfallen als im inneren Bereich. Dies gilt sowohl für Baukonstruktionen im direkten Windangriffsbereich, als auch in den seitlichen Randbereichen. Grund dafür sind Verwirbelungen, die je nach Aufstellart und Anlagengröße variieren.
Lösungsansatz 2: 3D-FEM basierte Statik für Stabilitätsnachweise
Einzelne Bauteile, die sich aufgrund zu hoher Flächenlasten durchbiegen und zeitgleich auch eine stabilisierende Wirkung in Bauteilrichtung (Aufnahme von Normalkraft) einnehmen, verlieren ihre Stabilität schneller, als Bauteile, die sich nur aufgrund hoher Lasten durchbiegen. Im vorliegenden Fall wurden die sogenannten Normalkräfte nicht berücksichtigt. Bei der Vorbemessung stellte sich heraus, dass die Normalkräfte rechnerisch dazu führen, dass einzelne Stäbe ihre Stabilität verlieren würden. Ein Grund warum die Normalkräfte unberücksichtigt blieben, könnte die Berücksichtigung von Solarmodulen sein, denen eine aussteifende Wirkung zur Vermeidung von Verdrehen und Biegedrillknicken unterstellt wird. PV-Solarmodule sind jedoch nicht wie eine durchgängige, steife Scheibe (z. B. vollständig verankerte OSB-Platten) als aussteifend bewertet werden. Die Befestigung der Solarmodule erfolgt mit kleinen Schrauben, welche einen vergleichsweise weichen Aluminium-Rahmen mit der Unterkonstruktion verbindet. Sie vermeiden hauptsächlich ein Abheben der Solarmodule bei starkem Wind.
Unsere Lösung bestand darin, die PV-Unterkonstruktion ganzheitlich zu betrachten und die einzelnen Bauteile gemäß Aufmaß vor Ort digital nachzumodellieren. Erfahrungsgemäß weisen real gekantete Bauteile minimal Abweichungen gegenüber der Planung auf. Gleichzeitig wurden Abstände und Stärken vor Ort geprüft. Durch das Aufmaß und die dreidimensionale Berücksichtigung des Tragwerks war es möglich, die Tragfähigkeit der einzelnen Bauteile nachzuweisen.
Fazit: Standsicherheitsnachweise für schmale PV-Freiflächenanlagen erfordern besonderes Know-How
Dieses Projekt belegt, dass 20+ Berufsjahre im Bereich Tragwerksplanung in Kombination mit Methodenkompetenz dazu beitragen, frühzeitig neuralgische Punkte einer statischen Berechnung zu identifizieren und darauf aufbauende Standsicherheitsnachweise zu erstellen. In Kombination mit geeigneten KI-Modellen identifizieren wir frühzeitige Schwachstellen im statischen System und sind durch Anwendung moderner Technologien und Know-How im Stahlbau in der Lage, auch Leichtbaukonstruktionen für PV-Freiflächen oder Dachanlagen rechnerisch nachzuweisen. Reine KI-Funktionen und Simulationsverfahren hätten hier nicht weitergeholfen, da Vor-Ort Datenaufnahmen erforderlich waren, um Steifigkeiten und weitere Materialeigenschaften anhand der realen Bedingungen rechnerisch zu berücksichtigen.
Fragen und Antworten
Erfordert eine PV-Freiflächenanlage einen Standsicherheitsnachweis?
Ja, da es sich um baugenehmigungspflichtige Bauvorhaben handelt. Zu einer Baugenehmigung gehören nicht nur Planunterlagen eines Architekten. Die bautechnischen Nachweise — wie Standsicherheitsnachweis — sind bis Baubeginn nachzureichen. Bei Fertigstellung ist die Abnahme der Anlage von einem Tragwerksplaner durchzuführen.
Können statische Berechnungen aus dem Ausland in Deutschland verwendet werden?
Jein. Für eine vollständige Baugenehmigung braucht es einen Standsicherheitsnachweis. Wie Referenzprojekte zeigen, sind viele statische Berechnungen ohne Unterschrift eines nachweisberechtigten Tragwerksplaner häufig unvollständig oder fehlerhaft. Dann muss nachgebessert werden (erfordert teilweise Neuberechnungen).
Wie können Leichtbaukonstruktionen statisch nachgewiesen werden?
Im Regelfall durch Windsimulationen (optimierte Windlasten), 3D-FEM Simulationen als Nachweis individueller Kantteile und 3D-FEM Simulationen bei der finalen statischen Berechnung zur Berücksichtigung von Momentenumlagerungen und Aussteifungen.
Ansprechpartner

Dr.-Ing.
Christoph Ebbing
Geschäftsführer

Dipl.-Ing. (FH)
R. Sithamparanathan
Leiter Tragwerksplanung
Über uns
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