
Sind Stundenlohnarbeiten im KI-Zeitalter bei Ingenieuren noch zeitgemäß − Vorteile & Nachteile am Beispiel PV-Statik
Die Modernisierung unseres Gebäudebestandes hat einen großen Nachteil. Es werden detaillierte Informationen über ein Gebäude benötigt. Diese müssen aufwendig recherchiert, analysiert und bewertet werden. Das Ergebnis sind Angebote von Handwerkern und Ingenieuren auf Basis von Stundenlohnarbeit. Kalkulatorisch sehr unglücklich, wie sich nachfolgend herausstellen wird.
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1. Was bedeutet “PV-Statik Stundenlohnarbeit”?
Bei der Installation von Photovoltaik auf Bestandsdächern umfasst eine PV-Statik typischerweise die Überprüfung des Bestandsgebäudes auf Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit. Im Detail handelt es sich um:
- Sichtung und Plausibilisierung von Bestandsunterlagen
- Erkennen der Tragkonstruktion (Dachaufbau, Lastabtragung, Bauteilquerschnitte)
- Vor-Ort-Termin, Fotodokumentation, Aufmaß, Sichtprüfung von Lastannahmen
- Abgleich vorhandener Lastannahmen und neuer PV-Lasten (Eigengewicht, ggf. Ballast, Wind, Schneeverwehung)
- Nachrechnung / Plausibilitätscheck einzelner Bauteile
- Ergebnisdokument (Stellungnahme, Berechnungen, Freigabe, Hinweise, ggf. Auflagen)
Da im Gebäudebestand viele Rahmenbedingungen im Vorfeld unklar sind, wählen Ingenieurbüros oft ein Stundenmodell bei der Abrechnung.
2. Vorteile bei Stundenlohnarbeiten
Verträge auf Basis von Stundenlohnarbeiten sind in Anlehnung an die VOB/B als Einzelpreisvertrag zu werten. Sie werden eingesetzt bei besonderen Leistungen. Also Leistungen, die in Anlehnung an die HOAI nicht als Grundleistung definiert werden können (hier würde man die Honorarvergütung in Anlehnung an das Projektvolumen und Projektschwierigkeit ableiten). Stundenlohnarbeiten bei einer PV-Statik bietet einige Vorteile:
- Stundenlohnarbeiten können verhindern, dass Statiker große Risikozuschläge in einen Pauschalpreis einrechnen. Abgerechnet wird nach dem tatsächlich angefallenem Aufwand.
- Durch Festlegung eines oder mehrerer Stundensätze (z. B. für Senior-Engineers, Junio-Engineers, Hilfskräfte, Assistenz) kann eine gewisse Kalkulationssicherheit auch durch vorab definierte Aufwandspreise (Preis pro Stunde) erreicht werden.
- Verträge können schlank gehalten werden. Es wird im Vorfeld weniger über die einzelnen Leistungsdetails und Leistungsabgrenzungen diskutiert. Wenn sich vor Ort herausstellt, dass Bauteile anders ausgeführt sind oder Unterlagen fehlen, kann der Leistungsinhalt einfach angepasst werden, ohne sofort Nachträge stellen zu müssen und in Formalia zu verfallen.
- Stundenlohnarbeiten erscheint transparent und fair. Das Prinzip lautet “Zeit ist Geld”: Es werden die Stunden vergütet, die angefallen sind.
- Statiker können schnell mit der Begutachtung beginnen, da der Leistungsumfang bei Vertragsschluss genau definiert sein muss.
- Die Arbeiten können sehr flexibel beendet werden. Das Risiko von Vertragsstrafen aufgrund entgangener Gewinne ist gering.
3. Nachteile bei Stundenlohnarbeit
Neben den vorgenannten Vorteilen ergeben sich – wie immer – auch Nachteile innerhalb eines PV-Projektes. Sie betreffen vor allem das Thema Sicherheiten, Vertrauen und Kontrollaufwand:
- Der Auftraggeber kauft bei einem unklaren Leistungserfolg lediglich Zeit und keinen definierten Leistungserfolg.
- Das Kalkulationsrisiko liegt stark beim Eigentümer – besonders dann, wenn das Gebäude komplex ist oder Unterlagen fehlen. Dies erfordert ein gutes Einschätzungsvermögen über den zu leistenden Umfang beim Auftraggeber.
- Der Auftraggeber sollte dem Statiker sehr gut vertrauen. Schließlich können Auftraggeber im Regelfall nicht gut einschätzen, ob die geleisteten Stunden tatsächlich notwendig gewesen wären.
- Vertrauen bei der Abrechnung von Stundenarbeiten ist ebenfalls erforderlich. Schließlich sitzt der Auftraggeber nicht im Ingenieurbüro und stoppt die Arbeitszeit. Dies mag bei Baustellenarbeiten in Stundenlohn funktionieren, wenn stellvertretende Bauleiter überwachend tätig sind, aber nicht bei Bürodienstleistungen.
- Angebote einzelner Statiker können nur bedingt verglichen werden. Die einzige Vergleichbarkeit ist der Stundenlohnsatz, jedoch nicht das Gesamtergebnis. Ein Angebot mit 120 €/Std. sagt gegenüber einem Angebot mit 160 €/Std. wenig aus, wenn einerseits 14 Stunden und andererseits nur 6 Stunden benötigt werden. Ohne definierte Leistungsabgrenzung lassen sich Angebote kaum vergleichen.
- Bei Stundenlohnarbeiten fehlt ein Anreizsystem. Es kann unbewusst passieren, dass Aufgaben breiter bearbeitet werden als nötig. Nicht, weil jemand langsam sein will, sondern weil ohne klare Zieldefinition die Grenze zwischen notwendig und nice-to-have verschwimmt.
- Konfliktpotenzial beim Leistungsnachweis und Rechnungsstellung. Gerade wenn das Ergebnis nicht zufriedenstellend ist, entstehen Diskussionen über den dafür erforderlichen Aufwand. Das ist kein Fachproblem, sondern ein Vertrags- und Erwartungsproblem.
4. Wie bildet sich der Stundenlohn bei einem Statiker?
Wie jedes Dienstleistungsunternehmen sollte auch ein Ingenieurbüro eine Grenzkostenbetrachtung vornehmen und zusätzlich erforderliche Gewinne und Risiken im Stundenlohn einpreisen. Kostenfaktoren bei Ingenieurbüros sind:
- Versicherungen
- Miete, Büroeinrichtungen, Bürobedarf
- Hardware und Software
- PKW & Reparaturen
- Steuerberater, IT-Dienstleister
- Literatur & Weiterbildungen
- Mitgliedsbeiträge (z. B. Ingenieurkammer)
- Lohnkosten für Tragwerksplaner
- Lohnkosten für sonstige Mitarbeiter (kaufm. Assistenz, Vertrieb, Marketing etc.)
- Wagnis & Gewinn
Die Liste ist lang, wodurch Stundenlohnsätze von 100–250 €/Std. entstehen können (je nach Qualifikation und sonstigen Alleinstellungsmerkmalen). Bei der Bewertung des Stundenlohnsatzes sollte aus Auftraggeber-Sicht auch weitere, quantifizierbare Faktoren mit einfließen:
- Zuverlässigkeit & Erreichbarkeit
- Kurzfristige Verfügbarkeit
- Vertrauen & Loyalität
- Qualität & Vollständigkeit der Arbeiten
- Höhe des Versicherungsschutzes
- Eintragungen in Ingenieurkammern (Zertifizierung)
- Qualitätsmanagement (z. B. durch 4‑Augen Prinzipien)
Sind einige Faktoren nur bedingt gegeben, erhöht dies entweder das Risiko oder den Aufwand beim Auftraggeber (z. B. weil dauernd nachgeprüft werden muss und keiner erreicht wird).
5. Wie Auftraggeber die PV-Statik in Stundenlohnarbeit steuern können
Stundenlohn kann dann gut funktionieren, wenn Projektziele sauber eingerahmt werden. Praktisch bewährt sich ein methodisches Vorgehen:
- Stufe 1: Vereinbarung eines Stufenmodells statt “Open End” mit gedeckeltem Aufwand für erste Vorprüfungen, z. B. Vor Ort Bestandsaufnahmen oder Aktendurchsicht. Vereinbart wird ein Maximalstundensatz von 4 Std.
- Stufe 2: Statische Berechnung auf Grundlage der Bestandsaufnahme aus Stufe 1 als Pauschalpreis oder Stundenlohnarbeit mit Kostenobergrenze
Die Regelungen kommen einem Pauschalpreisvertrag schon sehr nahe. Weitere Möglichkeiten, das Risiko aus Auftraggebersicht zu begrenzen sind Leistungen ohne erforderliche Freigabe, jedoch mit Aufwandsobergrenze: Formulierungen wie: “Bis 8 Stunden ohne Freigabe. Ab 8 Stunden Freigabe durch Auftraggeber.”
Empfehlenswert sind Zielvereinbarungen – auch bei Stundenlohnarbeiten. Definieren Sie nicht nur Stundenaufwand für Statik-Prüfungen, sondern Ziele wie “Bewertung der statischen Unbedenklichkeit auf Basis anerkannter Nachweismethoden. Das Wirtschaftlichkeitsgebot ist zu beachten.”
Fazit: Stundenlohn erfordern ein hohes Vertrauen
Eine PV-Statik in Stundenlohnarbeit im Gebäudebestand zu vereinbaren ist aus Sicht der anbietenden Statiker nachvollziehbar und sicher, weil vor Angebotsabgabe die Datengrundlagen und genauen Auswirkungen auf den Aufwand unsicher sind. Es handelt sich jedoch im Kern um ein Problem des Tragwerksplaners. Auftraggeber, die im Regelfall nicht so tief in die Materie einsteigen (können) wie ein Fachingenieur, müssen dem Anbieter bei Stundenlohnarbeit viel Vertrauen schenken. Der Ansatz kann fair und flexibel sein – aber er ist kalkulatorisch unglücklich, wenn er ohne Rahmen, Stufen und Kostensteuerung vereinbart wird. Bei Skepsis wird ein hoher Kontrollaufwand und Diskussionsbereitschaft erforderlich.
Für Eigentümer wäre es vorteilhaft, wenn Statiker den Umfang durch effiziente Vorprüfung so gut durchdringen können, dass ein wirtschaftlich attraktives Leistungsangebot, basierend auf einem Pauschalpreis abgegeben wird. Pauschalpreisverträge haben für Eigentümer erhebliche Vorteile im Hinblick auf Kosten und Liefertermin. Pauschalpreisverträge erhöhen zudem die Vergleichbarkeit einzelner Anbieter.
Zusammenfassung
Ist Stundenlohnarbeit bei PV-Statik noch zeitgemäß?
Stundenlohnarbeit ist im Gebäudebestand weiterhin üblich, da Aufwand und Datengrundlagen im Vorfeld oft unklar sind. Für Ingenieurbüros ist dieses Modell nachvollziehbar und flexibel. Für Auftraggeber ist es jedoch nur dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn klare Rahmenbedingungen, Zieldefinitionen und Kostenbegrenzungen vereinbart werden.
Welche Vor- und Nachteile hat Stundenlohnarbeit bei PV-Statik?
Vorteile sind hohe Flexibilität, schneller Projektstart und Abrechnung nach tatsächlichem Aufwand ohne hohe Risikozuschläge. Nachteile liegen vor allem im fehlenden Kostenrahmen, geringer Vergleichbarkeit von Angeboten und erhöhtem Vertrauensbedarf, da Auftraggeber keinen klar definierten Leistungserfolg, sondern Zeit einkaufen.
Wie können Auftraggeber Stundenlohnarbeit bei PV-Statik sinnvoll steuern?
Eine sinnvolle Steuerung erfolgt durch Stufenmodelle, Kostenobergrenzen und klare Zieldefinitionen. Bewährt haben sich Vorprüfungen mit begrenztem Stundenbudget sowie anschließende Leistungen als Pauschalpreis oder mit Deckelung. So lassen sich Risiken reduzieren und gleichzeitig die Vorteile der Flexibilität erhalten.
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Christoph Ebbing
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