
PV-Anlagen gegen Windsog sichern − Befestigungstechnik
Denkt man an PV-Anlagen auf dem Dach, denkt man zunächst an das erhöht Gewicht und die Einsturzgefahr beim Dach. Eine große Gefahr ist gleichzeitig das Abheben der Solarmodule bei starkem Wind. Wie werden Solarmodule ans Dach befestigt, bestenfalls ohne die Abdichtungsebene zu beschädigen. Wir geben einen Überblick.
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1) Windsog richtig verstehen
Auf Flachdächern ist das Problem meist nicht “Druck von oben”, sondern Sog nach oben – besonders in:
- Eckbereichen (höchste Sogwerte)
- Randstreifen
- Bereichen neben Attiken, Aufbauten, Lichtkuppeln
Merke: Die gleiche Anlage kann im Dachinnenfeld problemlos sein, aber in der Ecke kritisch.
2) Windlasten ermitteln (Planungsgrundlage)
Für eine belastbare Auslegung werden mindestens folgende Angaben benötigt:
- Standort (Windzone), Geländekategorie
- Gebäudehöhe, Dachform, Attikahöhe
- Belegungsplan (Reihen, Neigung, Abstand)
- Systemdaten des Montagesystems (Aerodynamik, Zulassung/Herstellerstatik)
In der Praxis dient die Windsogberechnung dem Hersteller zur Dimensionierung der Lastplatten und Schienensysteme. Idealerweise werden Windlastsimulationen durchgeführt, um die Verwirbelung in den Randbereichen möglichst exakt bestimmen zu können. Die Windsoglast, gemessen in Kilonewton pro Quadratmeter (kN/m²) bestimmt, wie die PV-Anlage gegen Verschieben und Abheben gesichert wird.
3) Befestigungsprinzip wählen
Gesichert werden muss die PV-Anlage gegen Verschieben und gegen Abheben, verursacht durch Windsog. Hier sind verschiedene Befestigungen möglich.
A) Sicherung gegen Verschieben
Eine PV-Anlage kann durch Windsog leicht angehoben werden. Wenn gleichzeitig Wnd auch eine horizontale Lastwirkung verursacht, fängt eine PV-Anlage an, auf dem Untergrund zu gleiten. Damit die Anlage nicht gleitet, wird die Reibung zwischen Dachoberfläche und Aufstellfläche näher betrachtet. Die Fläche der Unterkonstruktion sollte möglichst groß und rau sein, damit ein großer Widerstand entsteht. Die Reibung wird durch raue Oberflächen und ausreichend Eigengewicht erzielt. Reicht das Eigengewicht nicht aus, werden Lastenplatten punktuell ergänzt.
B) Sicherung gegen Abheben
Abheben entsteht, wenn der Wind unter die PV-Module angreift und so ein Aufwind unterhalb der Module erzeugt. Gleichzeitig entstehen auftreibende Kräfte oberhalb der Solarmodule. Die Sicherung gegen Abheben wird im wesentlichen durch Eigengewicht und zusätzlichen Lastplatten sichergestellt. Das Gewicht sollte aber nicht zu hoch sein, da Dächer hinsichtlich ihrer statischen Tragfähigkeit bei hohem Eigengewicht begrenzt sind. PV-Unterkonstruktionen werden daher oft so konstruiert und weiterentwickelt, dass die Schrägstellung der Module keine hohen Sogkräfte verursacht. Die Ausrichtung der PV-Module ist daher nicht ausschließlich durch die Südrichtung bestimmt. Die Statik bestimmt oftmals die Ausrichtung der Solarmodule auf Flachdächern. Teilweise werden Windleitbleche verbaut.
C) Verklebte/verschweißte Systeme (membranangebunden)
Eine Ausnahmeerscheinung sind kraftschlüssig verklebte oder verschweißte PV-Systeme. Flexible PV-Module werden direkt auf die Abdichtungsebene geklebt oder verschweißt. Statisch ist die Verklebung auf Zugkräfte, insbesondere bei der langfristigen Haltbarkeit zu prüfen.
4) Ausführung und Nachweise, die Eigentümer verlangen sollten
Systemhersteller sollten Windlastnachweis für das individuelle Dach durchführen. Einerseits geht es darum, die Sicherheit zu gewährleisten. Andererseits sollte das Gewicht bekannt sein, welches auf das betroffene Dach als Zusatzgewicht schließlich wirken (Nachweis gegen Spannungsverlust und Durchbiegung).
Aufbauend auf den Windlastnachweis wird ein Ballastplan/Fixierungsplan mit Zonen (Ecke/Rand/Innen) erstellt. Meist erfolgt dies vollständig softwarebasiert.
Dann folgt der Nachweis der Dachlasten inklusive Lastweiterleitung bis in den Grund und Boden. Hierzu ist ein Tragwerksplaner einzuschalten. PV-Unternehmen und Eigentümer sollten sich darüber einigen, wer die Kosten hierzu übernimmt.
Ein Sachverständige für das Dachdeckerhandwerk sollte zeitgleich den technischen Zustand überprüfen: Schutzlage, Druckverteilung, keine Scheuerstellen sollten sichergestellt sein. Vor allem aber sollten kurz- bis mittelfristig keine wesentlichen Dachsanierungen anstehen.
5) Häufige Fehler (die später teuer werden)
- Ballast “nach Gefühl” statt nach Zonenplan
- Module zu nah am Dachrand
- Punktlasten auf zu weicher Dämmung ohne Druckverteilung (z. B. auf weicher Dämmung wie Styropor EPS)
- Keine Mitteilung von Dachschäden bei PV-Montage
- Fehlende projektspezifische Gebäudestatik (wird oft verwechselt mit Windlastnachweis oder PV-UK Statik)
Zusammenfassung
Warum ist bei PV-Anlagen auf Flachdächern der Windsog oft kritischer als das Gewicht?
Auf Flachdächern wirkt Wind nicht nur als “Druck von oben”, sondern vor allem als Sog nach oben. Besonders hohe Sogwerte treten in Eckbereichen, Randstreifen sowie neben Attiken und Aufbauten (z. B. Lichtkuppeln) auf. Deshalb kann eine Anlage im Dachinnenfeld unkritisch sein, während dieselbe Anlage in einer Ecke rechnerisch nicht sicher ist.
Welche Angaben werden für einen Windlast- bzw. Windsognachweis benötigt?
Für eine belastbare Auslegung werden mindestens Standort (Windzone) und Geländekategorie, Gebäudehöhe, Dachform und Attikahöhe, der Belegungsplan (Reihen, Neigung, Abstände) sowie Systemdaten des Montagesystems benötigt. In der Praxis dient der Windsognachweis dem Hersteller zur Dimensionierung von Schienen, Fixierungen und Ballast (z. B. über einen Zonenplan für Ecke/Rand/Innen).
Wie wird eine PV-Anlage auf dem Flachdach gegen Verschieben gesichert?
Gegen Verschieben wird die Anlage über Reibung zwischen Dachoberfläche und Aufstellfläche gesichert. Dafür sind möglichst große, geeignete Auflageflächen und eine ausreichende Rauheit wichtig. Reicht das Eigengewicht der Unterkonstruktion nicht aus, werden Lastplatten gezielt ergänzt – idealerweise nach einem Ballastplan statt “nach Gefühl”.
Wie wird eine PV-Anlage gegen Abheben durch Windsog gesichert – ohne die Abdichtung zu beschädigen?
Im Standardfall erfolgt die Sicherung gegen Abheben über Eigengewicht und zusätzliche Lastplatten – ohne Durchdringungen der Abdichtung. Um Ballastmengen zu reduzieren, werden Unterkonstruktionen aerodynamisch optimiert (z. B. geringere Sogwirkung durch Anordnung, Neigung oder Windleitbleche). Als Sonderlösung gibt es membranangebundene Systeme, bei denen flexible Module verklebt oder verschweißt werden – hier ist die langfristige Zugfestigkeit der Verbindung gesondert nachzuweisen.
Welche Nachweise und typischen Fehler sollten Eigentümer bei Flachdach-PV beachten?
Eigentümer sollten einen projektspezifischen Windlastnachweis (inkl. Ballast-/Fixierungsplan mit Zonen) sowie eine separate Gebäudestatik (Lastweiterleitung bis in den Baugrund) verlangen. Zusätzlich sollte ein Dach-Sachverständiger den Zustand der Abdichtung, Schutzlagen und Druckverteilung prüfen. Häufige teure Fehler sind Ballastierung ohne Zonenplan, zu geringe Randabstände, Punktlasten auf weicher Dämmung ohne Druckverteilung, fehlende Meldung von Dachschäden und die Verwechslung von Windlastnachweis bzw. PV-UK-Statik mit der Gebäudestatik.
Ratgeberartikel ersetzen keine fachliche Beratung!
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Christoph Ebbing
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