
Lastüberprüfung einer PV-Anlage in drei Schritten
Die Entscheidung ist gefallen: Eine Photovoltaikanlage soll auf dem Dach installiert werden und den Eigenstromverbrauch reduzieren. Doch bevor das Projekt so richtig starten kann, sind technische Risiken zu prüfen. Ein wesentliches Risiko, welches nicht mit bloßem Auge geprüft werden kann ist die statische Machbarkeit. Eine Lastüberprüfung folgt in der Regel drei wichtigen Schritten.
1. Schritt: Statik-Dokumentencheck
Beim Dokumentencheck werden vorhandene Unterlagen zum Gebäude durch einen Fachexperten geprüft. Der erste Bkick gilt der vorhandenen Statik. Unter Statik versteht man eine Ansammlung oft verschiedener Dokumente wie Berechnungsunterlagen, Bewehrungspläne, Verlegepläne und Positionspläne. Bei den Berechnungsunterlagen kann bei größeren Gebäuden unterschieden werden zwischen Hauptstatik und Nebenstatik, oder Binderstatik, UK-Statik und Gebäudestatik. Dies liegt daran, dass besonders konstruierte Bauteile wie Fachwerkbinder von den späteren Herstellern selbst statisch berechnet und in der Hauptstatik auf sie verwiesen wird. Die UK-Statik ist für die Lastüberprüfung weniger relevant. Sie wird im Regelfall vom Hersteller des Montagesystems bereitgestellt und stellt lediglich sicher, dass das Montagesystem im Hinblick auf das Eigengewicht ausreichend dimensioniert und gegen Windsog gesichert ist.
Idealerweise werden in den Lastannahmen der statisch relevanten Bauteile bereits bei der Durchsicht entsprechende Lastreserven festgestellt. Lastreserven können gut eingeschätzt werden, wenn der Fachexperte ausreichend Erfahrung darin hat, Lasten komplexer Dachtragwerke genau einschätzen zu können.
Gerade bei Bestandsgebäuden liegen die vorgenannten Unterlagen aus der Genehmigungsphase häufig nicht mehr vor oder sind veraltet. Dann folgt direkt Schritt zwei.
2. Schritt: Vor-Ort Termin
Beim Vor-Ort Termin mit einem Statiker geht es im zweiten Schritt darum, die ursprünglich in den Plänen festgestellten Informationen zu verifizierein. Maße und Lage einzelner Bauteile werden stichprobenartig überprüft und plausibilisiert. Es ist sicherzustellen, dass keine nachträglichen Anbauten oder Veränderungen an statisch relevanten Bauteilen vorgenommen wurden.
Erfahrungsgemäß stellt sich bei der Analyse in Schritt eins heraus, dass einzelne Informationen fehlen. Beim Vor-Ort Termin können fehlende Maße, Abstände, Blechstärken, Verbindungsmittel, Dachaufbauten, Lasten unter der Decke oder relevante Setzungen und Beschädigungen dokumentiert und bei der späteren Berechnung genutzt werden.
Erfahrene Statiker sind in der Lage, bei vielen Gebäuden nach einem ersten Ortstermin und Durchsicht der Unterlagen eine plausible Ersteinschätzung abzugeben. Sie wissen darüber hinaus in jedem Fall, mit welchem Konzept die statische Berechnung methodisch durchzuführen ist.
3. Statische Berechnung + Freigabe
Im einfachsten Fall reicht es aus, die ursprünglich geplanten Lastannahmen gemäß Bestandsstatik mit den tatsächlich festgestellten Lasten rechnerisch zu vergleichen. Kann eine Lastreserve von 5–20 kg/m² festgestellt werden, ist — je nach Dachform und Art der PV-Anlage — eine Installation möglich. Wichtig dabei ist, dass auch aktuelle Schnee- und Windlasten, Erdbebenzonen, Starkregenereignisse bei innenliegenden Entwässerungen, Eigengewicht und weitere Einflussgrößen mitberücksichtigt werden müssen.
Es wird ausreichend Fälle geben, bei denen die Lastreserven nicht ausreichen. Dann kann eine Neuberechnung der Statik hilfreich sein. Je nach Tragsystem können Statiker durch Anwendung moderner Nachweismethoden oder begründbaren Ansatz abweichender Berechnungsgrößen noch Lastreserven rechnerisch identifiziert werden. Die Neuberechnung mit ausreichend Lastreserve sind dann für Eigentümer und PV-Unternehmen der Beleg, auf Basis der die Dachfläche für die Installation der Photovoltaikmodule freigegeben werden kann und das Projekt startet. Die Berechnung wird in vielen Bundesländern auch gemäß Landesbaurecht gefordert (siehe beispielsweise §62 BauO NRW).
Fazit: Strukturierte Lastüberprüfung vor PV-Installation
Die statische Überprüfung eines Gebäudes vor Installation einer PV-Anlage kann sehr strukturiert durchgeführt werden. Der Aufwand kann unterschiedlich groß ausfallen. Erfahrene Statiker haben Vorteile im Gesamtauftritt, wenn frühzeitig bereits valide Einschätzungen zur Machbarkeit getätigt werden können. Das strukturierte Vorgehen zur Lastüberprüfung sichert zudem die Qualität der Aussagekraft. Sie wird wirtschaftlich und rechtlich wertvoll, sobald eine Unterschrift durch einen nachweisberechtigten Tragwerksplaner geleistet wird.
Warum sollte vor der Installation einer PV-Anlage die Statik geprüft werden?
Die PV-Anlage bringt zusätzliche Lasten auf das Dach, deren statische Machbarkeit nicht mit bloßem Auge beurteilt werden kann. Vor der Umsetzung sollten daher technische Risiken geprüft werden, damit klar ist, ob das Gebäude die zusätzlichen Einwirkungen sicher aufnehmen kann.
Was wird beim Dokumentencheck einer statischen Lastüberprüfung geprüft?
Beim Dokumentencheck werden vorhandene Unterlagen wie Berechnungsunterlagen, Bewehrungspläne, Verlegepläne und Positionspläne geprüft. Ziel ist es, die statisch relevanten Bauteile zu verstehen und vorhandene Lastannahmen sowie mögliche Lastreserven zu erkennen. Fehlen Unterlagen oder sind sie veraltet, ist eine weitergehende Prüfung vor Ort erforderlich.
Warum ist ein Vor-Ort-Termin mit einem Statiker wichtig?
Beim Vor-Ort-Termin werden die Informationen aus den Unterlagen überprüft und fehlende Angaben ergänzt. Maße, Abstände, Blechstärken, Verbindungsmittel, Dachaufbauten, zusätzliche Lasten unter der Decke sowie mögliche Setzungen oder Beschädigungen können dabei dokumentiert werden. So entsteht eine belastbare Grundlage für die spätere statische Berechnung.
Wann kann ein Dach für eine PV-Anlage statisch freigegeben werden?
Eine Freigabe ist möglich, wenn durch die statische Berechnung nachgewiesen wird, dass ausreichende Lastreserven vorhanden sind. Im einfachsten Fall werden die ursprünglich angesetzten Lasten mit den tatsächlich vorhandenen Lasten verglichen. Reichen die Reserven nicht aus, kann eine Neuberechnung mit modernen Nachweismethoden zusätzliche rechnerische Spielräume aufzeigen.
Welche Bedeutung hat die statische Nachberechnung für Eigentümer und PV-Unternehmen?
Die statische Nachberechnung liefert den fachlichen Nachweis, auf dessen Grundlage eine Dachfläche für die PV-Installation freigegeben werden kann. Sie schafft technische, wirtschaftliche und rechtliche Sicherheit. Besonders wertvoll wird die Aussage, wenn sie von einem nachweisberechtigten Tragwerksplaner unterschrieben ist.
Ratgeberartikel ersetzen keine fachliche Beratung!
Kundenmeinungen
4,80 von 5 Sternen auf SHOPVOTE und Google aus 66 Bewertungen (167 insgesamt). Hier eine kleine Auswahl von Kundenmeinungen:
ShopVoter-2015606
ShopVote
4.00 von 5 Sternen
ShopVoter-397975
ShopVote
5.00 von 5 Sternen
Über uns
Unser Ingenieur-Team besteht aus qualifizierten Fachplaner mit je 20+ Berufsjahren und einem Doktortitel (Dr.-Ing.), (Fach)Hochschulabschluss, sowie Eintragungen in mehreren Ingenieurkammern und weiteren Qualifikationen. Ein Auszug:




Unsere Ansprechpartner:

Dr.-Ing.
Christoph Ebbing
Geschäftsführer

Dipl.-Ing. (FH)
R. Sithamparanathan
Leiter Tragwerksplanung

Dipl.-Vw.
Stefan Tiesmeyer
Leiter Energiewirtschaft
Unsere Keyfacts:
- Gründungsjahr
- 2019
- Berufsjahre
- 20+
- erfolgreiche Projekte
- 2.250+
Leistungen
Die ESTATIKA GmbH ist ein spezialisiertes Ingenieurbüro für Machbarkeitsanalysen von (geplanten) PV-Zusatzlasten. Kosteneffiziente Quick-Checks für PV-Unternehmen, Gewerbekunden und Kommunen.






