
Sachverständiger für das Dachdeckerhandwerk oder Statiker − Wer prüft das Dach vor PV-Installation?
Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach ist trotz regulatorischen Veränderungen in vielen Fällen wirtschaftlich sinnvoll. Gleichzeitig stellt die Montage einen baulichen Eingriff in ein bestehendes Gebäude dar. Zusätzliche Lasten, neue Befestigungspunkte, veränderte Rücktrocknung der im Dach befindlichen Feuchte, Eingriffe in die Dachhaut und veränderte Beanspruchungen durch Wind und Schnee können dazu führen, dass vor der Installation eine fachliche Prüfung sinnvoll oder sogar dringend zu empfehlen ist.
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Eigentümer, Verwaltungen, Asset- und Portfoliomanager oder kommunale Vertreter sollten sich daher früh die Frage stellen, wer vor einer PV-Installation das Gebäude prüfen sollte – ein Sachverständiger für das Dachdeckerhandwerk oder ein Statiker?
Idealerweise werden beide Fachexperten um eine Stellungnahme gebeten. Entscheidend ist, welches Risiko als ausreichend relevant erachtet wird: die Dichtheit des Dachs, der bauliche Zustand, die Auswirkungen auf den Feuchteschutz oder Bedenken zur Tragfähigkeit der Konstruktion.
1. Warum das Dach vor einer PV-Installation prüfen?
Vor der Installation einer PV-Anlage wird im Regelfall zunächst hinterfragt, ob eine PV-Anlage wirtschaftlich funktionieren kann. Bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung werden Annahmen, wie beispielsweise die belegbare Dachfläche getroffen. Sollte die Berechnung sich als ausreichend gewinnbringend darstellen, sollten anschließend die Annahmen überprüft werden. Hier stellt sich dann unter anderem die Frage, ob das vorhandene Dach die zusätzliche Nutzung technisch verträgt.
Typische Prüfungsfragen sind:
- Ist das Dach ausreichend tragfähig (trotz PV-Zusatzlast)?
- Besteht Sanierungsbedarf vor der Montage?
- Ist die Dachhaut für eine PV-Zusatzlast technisch zugelassen?
- Werden andere Bauteile technisch beeinträchtigt?
Bei Bestandsgebäuden ist diese Vorprüfung wichtig. Denn eine PV-Anlage hat in der Regel eine lange Nutzungsdauer. Wird sie auf einem Dach montiert, das ohnehin bald sanierungsbedürftig, nicht ausreichend tragfähig ist, kann das später zu vermeidbaren Mehrkosten führen. Auch Auswirkungen wie zusätzliche Verschattungen können hinsichtlich der Rücktrocknung bauphysikalisch bedenklich sein.
2. Wann ist ein Sachverständiger für das Dachdeckerhandwerk der richtige Ansprechpartner?
Ein Sachverständiger für das Dachdeckerhandwerk ist vor allem dann sinnvoll, wenn es um den baulichen Zustand des Dachs und die fachgerechte Ausführung der Dachabdichtung oder Dacheindeckung geht. Typische Themen für den Dachdecker-Sachverständigen:
- Zustand der Dachhaut
- Schäden an Abdichtung, Anschlüssen oder Eindeckung
- mögliche Undichtigkeiten
- Alterungszustand des Dachs
- handwerkliche Eignung für eine PV-Montage (bautechnische Zulassung der Abdichtungsbahn)
- Risiken durch Durchdringungen oder Befestigungen
- Sowieso-Aufwendungen am Dach hinsichtlich Absturzsicherung oder vergleichbaren Einrichtungen
Bei Flachdächern kann ein Sachverständiger einschätzen, ob die Abdichtung noch ausreichend intakt ist oder ob vor der Installation der PV-Anlage eine Sanierung sinnvoll wäre. Bei Steildächern kann er beurteilen, ob Ziegel, Unterspannbahn, Anschlüsse und Details noch in einem Zustand sind, der eine sichere Nachrüstung zulässt. Bauphysikalische Zusammenhänge sollten Sachverständige kennen. Im Detail ist ein Bauingenieur mit Fachkenntnissen im Bereich Bauphysik, speziell Feuchteschutz zu Rate zu ziehen.
EXKURS Bauphysik: Welche Gefahren ergeben sich durch PV-Anlagen?
Die PV-Anlage sorgt insbesondere bei Holzdächern dafür, dass die in der Konstruktionsebene befindliche Diffusionsfeuchte im Sommer nicht mehr ausreichend austrocknen kann, da die Wärme aus der Sonne nicht mehr auf die Dachziegel in die Baukonstruktion abgegeben werden kann. Dadurch kann die Dämmung in der Bauteilebene, im schlimmsten Fall auch die Holzbauteile mittel- bis langfristig beschädigt werden.
Eine ursprünglich bautechnisch zugelassene Konstruktion wird verändert. Die Gewährleistung des Dachhandwerkers und Planungsingenieure ist allenfalls noch eingeschränkt vorhanden. Im Schadensfall bleiben Eigentümer − ohne Überprüfung durch einen Fachexperten − auf ihren Kosten sitzen.
Was leistet ein Sachverständiger für das Dachhandwerk in der Regel nicht?
Ein Dachdecker-Sachverständiger darf haftungstechnisch die statische Unbedenklichkeit des Dachtragwerks im ingenieurtechnischen Sinn nicht bewerten. Sachverständige können oft praktische Hinweise geben. Sie sind jedoch nicht in der Lage, diese rechtlich sauber belegen zu können (statische Berechnung).
3. Wann ist ein PV-Statiker der richtige Ansprechpartner?
Ein Statiker (auch Tragwerksplaner, oder teils Bauingenieur genannt) ist dann gefragt, wenn es um eine Beurteilung der Gebäudestatik handelt. Ein Statiker bescheinigt die statische Unbedenklichkeit wenn geklärt werden soll, ob das Gebäude die zusätzlichen Lasten aus der PV-Anlage dauerhaft sicher aufnehmen kann. Berücksichtigt werden aktuelle Wind‑, Schnee‑, Erdbeben, sowie Eigen- und Nutzlasten unter Berücksichtigung der neuen PV-Anlage.
Typische Themen für den Statiker
Ein Statiker prüft vor Installation einer PV-Anlage zum Beispiel:
- zusätzliche Lasten aus Modulen und Unterkonstruktion (Druck- und Sog)
- Lastweiterleitung in tragenden Bauteilen bis in den Baugrund (Sparren, Pfetten, Decken, Sützen, Trapezbleche & Co).
- Aktuelle Wind- und Schneelastannahmen am betroffenen Standort
- Tragreserven im Bestand
- Bereits vorhandene Überlastungen einzelner Bauteile
- Ggf. erforderliche Verstärkungsmaßnahmen
Gerade bei älteren Gebäuden, weitgespannten Hallendächern, größeren Mehrfamilienhäusern oder Dächern mit unklarer Bestandsdokumentation ist diese Prüfung besonders wichtig. Auch bei auffälligen Durchbiegungen, Schäden am Tragwerk oder bereits bekannten Vorschäden sollte eine statische Einschätzung frühzeitig erfolgen.
Was sagt die statische Berechnung aus?
Der Statiker beantwortet in erster Linie die Frage, ob das Dach das zusätzliche Gewicht und die veränderten Rahmenbedingungen bei Schnee- und Wind, ob tragwerksseitig das Gebäude weiterhin standsicher und gebrauchstauglich ist. Einzelne Schäden an Abdichtungen, die ggf. zu Feuchtigkeitseindringungen und infolgedessen zu Bauteilschäden führen können, werden nicht bewertet.
4. Dachdecker-Sachverständiger und Statiker bewerten unterschiedliche Fragestellungen
In der Praxis werden beide Rollen häufig verwechselt. Dabei betrachten sie unterschiedliche Ebenen desselben Dachs. Einfach gesagt:
- Der Sachverständige für das Dachdeckerhandwerk prüft vor allem den baulichen Zustand der Dachhaut, die Ausführungsqualität und mögliche Risiken aus Sicht des Dachaufbaus (Vermeidung von eindringendem Wasser)
- Der Statiker prüft die Tragfähigkeit des Dachs und des Gebäudes unter den zusätzlichen Lasten der PV-Anlage (Vermeidung des Einsturzes bzw. erhöhter Durchbiegung und infolgedessen Gebäudeschäden).
Beide Perspektiven sind wichtig, um Gebäudeschäden langfristig zu vermeiden. Die Konsultierung kann auch wirtschaftlich wichtig sein, damit bei kurzfristig anstehenden Sanierungen die PV-Anlage nicht wieder entfernt und anschließend wieder montiert werden muss.
In dem Zuge sei noch erwähnt, dass Energieberater und Bauphysiker ebenfalls konsultiert werden können, wenn es um Feuchterisiken bzw. wirtschaftlich sinnvolle Dachmodernisierungen geht.
5. In welcher Reihenfolge sollte ein Dach geprüft werden?
Das hängt vom Einzelfall ab. In vielen Fällen ist eine gestufte Prüfung sinnvoll.
- Zunächst wird empfohlen, mit einem Generalisten (idealerweise Architekt/Bauingenieur) das Dach zu begehen und grob den Zustand, die Tragfähigkeit, die Bauphysik und das Förderpotenzial im Falle einer Modernisierung zu prüfen.
- Den größten Schaden würde eine PV-Anlage bei anschließendem Dacheinsturz bzw. Schäden an Personen verursachen. Daher wird grundsätzlich empfohlen, die größten Risiken als Erstes zu überprüfen (Statik). Bei Steildächern mit nachträglichem Ausbau bzw. Dachmodernisierung sollte auch bauphysikalisch das Rücktrocknungsverhalten geprüft werden. Idealerweise wird ein Ingenieurbüro mit Kenntnissen im Bereich Tragwerk und Bauphysik beauftragt.
- Wirtschaftlich sinnvoll ist es anschließend,einen Sachverständigen für das Dachdeckerhandwerk zu beauftragen, um den baulichen Zustand, die Restnutzungsdauer und die Eignung der Dachhaut zu bewerten. Sollten sowieso Maßnahmen am Dach erforderlich sein wäre es gut, diese gleichzeitig zu beheben.
- Stellt sich ein größerer Instandhaltungsbedarf heraus, wird empfohlen einen Energieberater hinzuzuziehen, um Förderpotenziale zu nutzen und eine Dachsanierung wirtschaftlich zu optimieren.
Fazit: Worauf Eigentümer und Vertreter achten sollten
Sachverständige für das Dachhandwerk und Tragwerksplaner beschäftigen sich mit unterschiedlichen Fragestellungen. Eigentümer und Objektverantwortliche sollten sich vor einer PV-Installation die Frage stellen, welche Risiken in welchem Ausmaß vorliegen und aus rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen überprüft werden sollten:
- Zustand der Dachabdichtung oder Dacheindeckung
- Restlebensdauer des vorhandenen Dachs
- Tragfähigkeit der Konstruktion
- Bauphysik, insbesondere das Rücktrocknungsverhalten bei Holzdächern
- Risiken durch Befestigung und Montage
- möglicher Sanierungsbedarf vor Umsetzung
Wer nur einen Fachexperten konsultiert, übersieht möglicherweise wichtige Risiken. Gerade bei größeren Dachflächen, kommunalen Gebäuden, Gewerbeobjekten oder Mehrfamilienhäusern ist eine klare fachliche Zuordnung der Prüffrage entscheidend. In dem Beitrag wurde erläutert, welche Experten wann und in welcher Reihenfolge (abhängig vom Schadensrisiko) beauftragt werden sollten. Wird das Risiko nicht hoch genug eingestuft, können Sie die Risiken auch selbst tragen.
Ausnahme: Die Bauordnung vieler Länder schreibt vor, die statische Unbedenklichkeit bei Installation einer PV-Anlage durch nachweisberechtigte Tragwerksplaner prüfen zu lassen (Beispiel: BauO NRW §62 – verfahrensfreie Bauvorhaben).
Häufige Fragen
Warum sollte ein Dach vor der Installation einer PV-Anlage geprüft werden?
Vor der Installation einer PV-Anlage muss geklärt werden, ob das Dach die zusätzlichen Lasten, Eingriffe und bauphysikalischen Veränderungen dauerhaft sicher verträgt. Ohne fachliche Prüfung drohen Schäden, Sanierungsmehraufwand oder wirtschaftliche Fehlentscheidungen.
Wann ist ein Sachverständiger für das Dachdeckerhandwerk erforderlich?
Ein Sachverständiger für das Dachdeckerhandwerk ist vor allem dann sinnvoll, wenn der bauliche Zustand des Dachs bewertet werden soll. Dazu zählen insbesondere die Dichtheit, Schäden, Alterung, Abdichtung sowie die handwerkliche Eignung für eine sichere PV-Montage.
Wann sollte ein Statiker die Dachprüfung übernehmen?
Ein Statiker ist erforderlich, wenn die Tragfähigkeit des Dachs geprüft werden muss. Er beurteilt, ob das Tragwerk die zusätzlichen Lasten aus der PV-Anlage unter Berücksichtigung von Wind- und Schneelasten dauerhaft sicher aufnehmen kann.
Ratgeberartikel ersetzen keine fachliche Beratung!
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Christoph Ebbing
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