
Agri-PV aus Sicht der Tragwerksplanung
Agri-Photovoltaikanlagen (kurz: Agri-PV) sind vielschichtig durchdachte Solaranlagen, die eine energie- und landwirtschaftliche Parallelnutzung ermöglichen. Gegenüber der klassischen PV-Freiflächenanlagen bringen Sie einige Besonderheiten mit sich, die auch tragwerksplanerisch berücksichtigt werden sollten.
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Allgemeine Bauweisen
Agri-PV-Anlagen ermöglichen eine Doppelnutzung vorhandener Flächen. Sie werden im Ackerbau, in der Tierhaltung und in besonderen Anbaugebieten (z. B. Wein, Beeren) eingesetzt. Entsprechend der Anwendung unterscheidet sich die Bauweise.
- Kragarmkonstruktionen (bewegliche Module)
- Photovoltaik-Zäune (vertikale Module)
- Rahmenkonstruktionen (horizontale Module)
Als Tragmaterial wird Stahl, für einzelne Bauteile zum Teil auch Aluminium eingesetzt. Die notwendige Befestigung im Boden erfolgt meist durch gerammte Stahlprofile. Oberhalb der auskragenden Stahlprofile werden bewegliche Solartische, Querträger oder ganze Rahmen befestigt.
Besonderheiten bei Kragarmkonstruktionen
Um einen hohen Sonnenertrag zu erzielen, sollten Solarmodule idealerweise mit dem Sonnenverlauf wandern. Die Solarmodule drehen sich und benötigen ein mindestens einachsig bewegliches Bauteil. Das Eigengewicht der Solarmodule samt Unterkonstruktion und anstehenden Windlasten sollten getragen werden können. Schneelasten können reduziert betrachtet werden, wenn sichergestellt ist, dass bei Schneefall ein möglichst hoher Neigungswinkel eingestellt werden kann und der Schnee so weitestgehend auf den Boden herabfallen kann.
Dadurch, dass es sich um eine Kragarmkonstruktion handelt liegt ein Augenmerk auf der Befestigung im Boden. Idealerweise werden Stahlbetonfundamente verwendet. Bei Rammprofilen ist eine tiefe Verankerung erforderlich. Der Boden wirkt dort rechnerisch wie eine Feder. Desto steifer der Boden ist, desto besser für die Lastübertragung in den Boden. Ein Bodengutachten ist zwingend erforderlich.
Photovoltaik-Zäune (vertikale Module)
Photovoltaik-Zäune sind aufgrund ihrer Bauweise vergleichsweise platzsparend. Der Sonnenertrag ist aufgrund der vertikalen Modulanordnung jedoch auch geringer gegenüber Vergleichskonstruktionen. Mehrere Zäune (vertikal angeordnete Solarmodule) stehen in größeren Abständen voneinander entfernt und ermöglichen es Traktoren, sich zwischen den Zäunen linienförmig zu bewegen. Baukonstruktiv ist die Bauweise vergleichsweise einfach. Es handelt sich um Rammprofile mit mindestens zwei Querträgern und aussteifenden Streben.
Eine Besonderheit stellen die Windlasten, quer zum Solarmodul dar. Sie sorgen aufgrund der vergleichsweise gro´ßen Windangriffsfläche für hohe Horizontalkräfte. Sie beeinflussen die Dimensionierung der Querträger und Rammprofile. Auch hier ist ein Bodengutachten dringend erforderlich.
Rahmenkonstruktionen (horizontale Module)
Rahmenkonstruktionen sind die individuellste Bauweise im Agri-PV Segment. Je nach Anwendungsfall werden die Stahlrahmen individuell konstruiert. Die Ständer, auf denen das Dach samt Solarmodule montiert wird sind meist länger, sodass ausreichend Durchgangshöhe für Bäume, Tiere, Traktoren oder Menschen besteht. Die Solarmodule bilden − ähnlich wie bei einem Carport − das Dach der Stahlkonstruktion. Spezielle Anforderungen werden an die Überkopf-PV Module gestellt. Abweichend zu einer klassischen PV-Flachdachanlage (auch auf Carports) befindet sich unterhalb der PV-Module keine tragende Deckschicht. Beim Bruch eines Solarmoduls würde die Platte auf den Untergrund fallen, weshalb erhöhte Sicherheitsanforderungen bestehen. Die entsprechenden Normen sind zu beachten.
Fazit: Agri-PV sind keine klassischen PV-Freiflächenanlagen
Die Erkenntnisse aus dem baukonstruktiven Vergleich verschiedener Agri-PV-Anlagentypen zeigen, dass es sich bei Agri-PV-Anlagen nicht um klassischen Freiflächenanlagen handelt. Je nach Bauweise entstehen besondere Anforderungen, die eine spezielle Auseinandersetzung am jeweiligen Standort erfordern. Die Baukosten solcher Konstruktionen sind daher auch nicht vergleichbar mit klassischen PV-Freiflächenanlagen. Sie werden daher in vielen Ländern auch staatlich gefördert und bezuschusst. Die Möglichkeit einer Doppelnutzung (Landwirtschaft und Energiewirtschaft) erhöht gleichzeitig den Bodenwert.
Tragwerksplanerisch erfordern die Anlagen eine individuelle Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten vor Ort (Boden, Wind, Topographie, Schnee). Kosteneffiziente, wirtschaftliche Lösungen sind dann erreichbar, wenn moderne Berechnungsmethoden eingesetzt werden, womit die Gegebenheiten möglichst detailliert berücksichtigt werden können. Hier sind erfahrene und hochqualifizierte Tragwerksplaner erforderlich, die dann auch den notwendigen Standsicherheitsnachweis für die Baugenehmigung erstellen können.
Zusammenfassung
Was ist Agri-PV und welche Bauweisen gibt es?
Agri-PV-Anlagen ermöglichen die gleichzeitige Nutzung von Flächen für Landwirtschaft und Stromerzeugung. Je nach Anwendung kommen unterschiedliche Bauweisen zum Einsatz, darunter Kragarmkonstruktionen mit beweglichen Modulen, vertikale Photovoltaik-Zäune sowie individuell geplante Rahmenkonstruktionen mit horizontalen Modulen.
Welche statischen Besonderheiten sind bei Agri-PV-Anlagen zu beachten?
Agri-PV-Anlagen stellen besondere Anforderungen an die Tragwerksplanung. Entscheidend sind vor allem die Verankerung im Boden, hohe Windlasten sowie bewegliche oder auskragende Konstruktionen. Ein Bodengutachten ist in der Regel erforderlich, da der Baugrund maßgeblich die Lastabtragung beeinflusst. Zusätzlich sind bei Überkopfmodulen erhöhte Sicherheitsanforderungen zu berücksichtigen.
Warum erfordern Agri-PV-Anlagen eine individuelle statische Planung?
Im Gegensatz zu klassischen PV-Freiflächenanlagen sind Agri-PV-Systeme stark standortabhängig. Faktoren wie Bodenbeschaffenheit, Wind, Schnee und Nutzung der Fläche führen zu individuellen Anforderungen an Konstruktion und Bemessung. Eine objektspezifische Tragwerksplanung ist daher notwendig, um wirtschaftliche und sichere Lösungen zu gewährleisten.
Ratgeberartikel ersetzen keine fachliche Beratung!
Ansprechpartner

Dr.-Ing.
Christoph Ebbing
Geschäftsführer

Dipl.-Ing. (FH)
R. Sithamparanathan
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